Eine solche, gemessen an der bisherigen Geschichte der FDP und ihrer Diadochen doch ziemlich atemberaubende und desperate Äußerung muss zunächst einmal als verzweifelte Kritik an der amtlichen Führung der FDP gelesen werden. Wenn Möllemann bei Hirsch schon so hoch im Ansehen steht, wie tief müssen dann die übrigen gefallen sein?

Und in der Tat, die übrigen Funktionäre an der Spitze der FDP scheinen eigentlich nur noch ein Lebensziel vor Augen zu haben: Möllemann zu verhindern - Mittelmaß gegen Aberwitz. Und natürlich ist solides Mittelmaß auch stets verlässlicher als unsolider Aberwitz. Aber eindrucksvoll?

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt - parteiinterner Spott: der Mann ohne Nachnamen - erklärt Mal um Mal, er werde nicht zurücktreten, sondern auf dem Bundesparteitag im kommenden Mai wieder antreten. Möllemann wiederum erklärt Mal um Mal, Gerhardt müsse sich entscheiden, er könne nicht alle Ämter gleichzeitig besetzen: Parteivorsitz, Fraktionschef und Spitzenbewerber bei der Bundestagswahl. Von Westerwelle ( wie war noch sein Vorname?) hört man seit langem schon gar nichts mehr Bedeutendes - erstens sowieso nicht, zweitens ginge das auch nicht (als Generalsekretär kann er sich nämlich kritisch gegen den Parteivorsitzenden nur äußern, wenn er sofort dessen Rücktritt erwirkt - oder selber zurücktritt, um auf dem Parteitag gegen ihn anzutreten). Und drittens braucht er eigentlich auch gar nichts zu sagen: Denn wenn er als Parteivorsitzender je gewählt würde, dann doch nur, falls Möllemann sich aus wirklich eigener Kraft unmöglich gemacht haben sollte. Möllemann ante portas, Möllemann vor allen Türen: Beim Dreikönigstreffen der Liberalen am 6. Januar, der ersten Heerschau der deutschen Liberalen im neuen Jahrtausend ( das fängt nämlich in Wirklichkeit erst in zweieinhalb Wochen an!) wollte er gerne reden. Gut, dazu bräuchte es eine Einladung und nicht nur eine Selbstanmeldung. Aber dass seine Parteifreu..., pardon: Parteifeinde dagegen nun ein förmliches Redeverbot glaubten beschließen zu müssen, lässt sie nicht wie die drei Weisen aus dem Morgenlande erscheinen, sondern wie die sieben Geißlein, die durch einstimmigen Beschluss dem bösen Wolf den Zutritt verwehren.

Nein, solange sich die Führungsmannschaft der FDP vor dem Aberwitz Möllemanns mehr fürchtet als vor dem eigenen Mittelmaß, wird nichts draus... Da kann man sich zwar über Burkhard Hirschs Plädoyer immer noch nicht freuen, aber seine Verzweiflung wenigstens verstehen.