Verstehe ich genügend von Kunst? Nein, gewiss nicht. Jedenfalls nicht so viel, um Sitte nun für einen Rembrandt des real existierenden Sozialismus ausgeben zu können, wenn ich es denn wollte. Oder um zu behaupten: Der hat einen solchen Schrott gemalt, dass es nicht einmal deshalb des Zeigens wert ist, weil es beweist, wie in der DDR Kunst von oben gewünscht wurde. Immerhin habe ich noch den DDR-Spottvers im Ohr: "Lieber vom Leben gezeichnet als von Sitte gemalt." Aber die verantwortlichen Museumsdirektoren werden sich doch etwas Vernünftiges dabei gedacht haben, als sie uns - zehn Jahre nach der Einheit und dem Untergang des Regimes, dem Sitte gefiel - die Begegnung mit diesem Oeuvre zumuten wollten, auch mit den Wechselwirkungen zwischen Macht und Kunst, wenn man so will: auch mit der Konfrontation von Ohn-Macht und Un-Kunst. Weshalb soll dieses Projekt nun aufgrund politischer Interventionen unterbleiben?

Das muss man doch fast zwangsläufig so lesen: In der DDR entschied die Politik, was gemalt wird - und bei uns entscheidet die Politik, was nicht gezeigt werden darf.

Aber pfui! Hören wir doch erst einmal an, was uns die Museumsdirektoren - natürlich nicht die (sich) drückenden Politiker - heute auf einer Pressekonferenz als Begründung für die unvermutete Absage servieren wollen. Wahrscheinlich so etwas wie: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben...

Und dann würde ich gerne einmal etwas lesen über den Maler Willi Sitte. Von jemanden, der wirklich etwas von Kunst versteht. Und von Politik - von freiheitlicher...