Um Viertel vor sieben geht vor Sansibar die Sonne unter: eine Scheibe, rot wie das Fleisch einer sehr, sehr reifen Mango, versinkt im Ozean. Und jeden Tag schiebt sich genau in diesem Moment eine Dau von rechts nach links ins Bild. Ihr Dreiecksegel bläht sich elegant, und auf der Terrasse des African House Hotels klicken Kameras.

Dort nämlich stehen die Logenplätze für dieses allabendliche Schauspiel. Und wer auf sich hält in Sansibar-Stadt und Umgebung, wer schon ein paar Tage hier ist und verstanden hat, dass "jambo!" "Hallo!" heißt und am besten mit einem ebenso lässigen "jambo!" beantwortet wird, der sitzt spätestens um halb sieben hier auf der Terrasse, am besten in der ersten Reihe.

Hier auf der Terrasse treffen sie sich alle: die Rucksacktraveller und die Strandurlauber, die Models zwischen zwei Shootings und die französische Familie mit den beiden Kindern. (Hat Frankreich jetzt Ferien?) Nur Laura hat keinen Blick für die Mangosonne. "Pronto!", brüllt sie in ihr telefonino,"pronto!"

Die Terrasse des Africa House Hotels ist derzeit der hipste Platz in Sansibar.

Der Charme eines Clubs in Prenzlauer Berg

Freilich: Kein Wegweiser leitet zum Platz an der untergehenden Sonne, kein Hinweisschild. Denn das Africa House Hotel ist zurzeit gar nicht in Betrieb, ist eine Baustelle mit leeren Fensterhöhlen, wird gerade von Grund auf renoviert, und wer zur Terrasse will, schreitet auf Teppichen über Schuttberge, vorbei an frisch zementierten maurischen Spitzbögen und ermutigt von zwei Herren, die ihm den Weg weisen, natürlich "jambo!" sagen und "karibu!" - "Willkommen!".

Dann steht er auf der Terrasse, wischt den Zementstaub von einem der uralten Kunstledersessel und sagt "one Kili, please!" Nimmt einen Schluck aus der Flasche Kilimandjaro Premium Lager und blinzelt in die Sonne.