Beinahe so ubiquitär wie Scheuermann ist Oz Clarke. Da gibt es Clarke's Weinführer zu den Themen Bordeaux, Burgund, Toskana, seinen Großen Weinführer, einen Atlas - niemand muss das alles lesen. Der Mann ist als geschmackssicherer (und respektloser) Verkoster bekannt. Clarke's kleiner Weinführer 2001 macht dem Klassiker, dem im Hallwag Verlag erscheinenden Kleinen Johnson, Konkurrenz. Wie das Vorbild passt er in die Hand- oder Westentasche und darf im Restaurant zurate gezogen werden. Unter Clarkes Autoren sind zuverlässige Weintester - da der Band acht Mark billiger ist als sein Gegenstück, hindert uns nur liebe Gewohnheit, seinem Landsmann Johnson abzuschwören.

Die Techniken der Winzer von heute findet Clarke fabelhaft, sie helfen, den Geschmack zu verbessern; auch in schwachen Jahrgängen entsteht daher, beispielsweise, schöner Bordeaux. Wie jede Wahrheit kann diese durch Übertreibung falsch werden. Die Technik dient vielen Weinproduzenten dazu, die nämlichen Stile anzusteuern: Hammer-Cabernets, Eichen-Chardonnays, Blumen-Sauvignons. Der Markt will es; die Einfalt der Kunden stellt die Vielfalt des Weins infrage. Ein anderes Argument geht so: Unter den Apparaturen leide der Nimbus des Weines - etwa wenn im Stahltank reifenden Weinen mit hineingetauchten Holzbrettern das Aroma frischer Eiche verliehen wird. Wer Bilder von Australiens Weingütern gesehen hat, die an Sägewerke erinnern, muss tief in sich gehen, um noch so etwas wie die Aura des Weines zu fühlen.

Dass selbst die Produzenten des Bordelais vor umstrittenen Techniken nicht zurückschrecken, enthüllte dem breiteren Publikum zum ersten Mal Stephen Brooks Buch Pauillac. Die Kellermeister von Grand-Puy-Lacoste, die beiden großen Pichons, ja sogar die Produzenten des ehrwürdigen Lafite-Rothschild, sie konzentrieren ihre Moste mittels Vakuumverdampfung. Auch sonst enthält das Buch mehr Hintergrundinformationen über die großen Weine des Pauillac, als gemeinhin geboten wird. Brook ist auch Herausgeber des Sammelbandes Das Jahrhundert des Weins - Die Weine des Jahrhunderts. Wer sich nur immer diese Titel einfallen lässt? Jedenfalls ist das 20. Jahrhundert das ereignisreichste der Weingeschichte; in einer Art Explosion ist ein ganzer Kosmos guter Weine entstanden. Welche technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen und Folgen das hat, wird in diesem Schmöker von Experten beschrieben. Ein schönes Geschenk!

Stephen Brook (Hrsg.):Das Jahrhundert des Weins - Die Weine des Jahrhunderts, Hallwag Verlag, Ostfildern/Bern 2000; 137 S., 69,- DM

Stephen Brook:Pauillac, Lichtenberg-Verlag, München 1999; 192 S., 98,- DM

Oz Clarke:Clarke's kleiner Weinführer 2001, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 2000; 336 S., 29,90 DM

Mario Scheuermann:Capital Weincompass, Falken Verlag, Niedernhausen 2000; 400 S., 69,90 DM