"Wir setzen Technik aber nie um ihrer selbst willen ein", sagt Nipper. Für sinnlos piepsende oder blinkende elektronische "Gimmicks" hat er nur Verachtung übrig. "Wir wollen den Kindern die Möglichkeit geben, die virtuelle und die physische Welt intelligent miteinander zu verbinden. Wir geben uns viel Mühe, sie rechtzeitig wieder vom Computer wegzulocken." Für einen Hersteller von Bausteinen und Figürchen ist diese pädagogisch wünschenswerte Absicht auch ökonomisch lebensnotwendig.

Auf reizvolle Weise ist Lego die Verbindung von Computer und Bauklotz in einem Produkt gelungen, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll: die Lego Studios. Sie werden womöglich in der Lage sein, nicht nur die virtuelle und die wirkliche Spielwelt in einen Zusammenhang zu bringen, sondern auch zwei Zielgruppen gleichermaßen zu begeistern, die in der Branche heute als völlig inkompatibel gelten: Jungen und Mädchen.

Intelligente Verbindung von Computer und Bauklotz

Auf den ersten Blick setzen die Lego Studios einfach die Tradition der Themenpakete (Ritter, Indianer) fort: Die Packungen enthalten kleine Regisseure, Kulissen, vollständige Dinosaurier, Dinosaurierteile, Dinosaurierbabys. Mit einer winzigen digitalen Kamera kann diese ganze Pracht gefilmt werden; die Figuren werden wie im Papiertheater an langen Stäben bewegt. Auf dem PC steht eine Software bereit, mit der die Kinder eigene Spielfilme schneiden und vertonen können, in denen ihre Legomännchen die Hauptrolle spielen. Ein Spielzeug, dem man nur einen Vorwurf wird machen können: dass es viel Zeit verschlingen wird, weil der, der damit spielt, die Welt um sich herum vergisst - jedenfalls dann, wenn er das Geschichtenerzählen nicht vor dem Fernseher verlernt hat.

Natürlich wird dieses intelligente Spielzeug teuer sein: Zwischen 300 und 400 Mark soll das Studios-Set kosten. Die Preisgestaltung ist typisch für eine weitere Entwicklung in der Spielzeugbranche: die Teilung des Marktes in das intelligente, teure Elektronikspielzeug, mit dem man tatsächlich spielen kann - und den Trash, dessen heimliches Programm auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung und möglichst schnellen Austausch zielt.

Mit Astrid Lindgrens Welt, in der das Wunderbarste eine einzige, einzigartige Puppe ist, hat all das nichts zu tun. Die Sehnsüchte unserer Kinder richten sich vielleicht auch gar nicht mehr auf Spielzeug, sondern darauf, dass ihre Eltern sich nicht scheiden lassen oder mehr Zeit für sie haben; auf eine lebendige Katze oder einen Garten oder Schnee zu Weihnachten. Eine Situation des materiellen Mangels, die die Wertschätzung der allereinfachsten Spielsachen lehrt, werden sie vermutlich nicht erleben - und wir müssten sehr zögern, sie ihnen zu wünschen. In dieser Lage bleiben Eltern bei der Neuanschaffung von Spielsachen nur zwei brauchbare Kontrollfragen: Wird das Geschenk einen Überfluss vermehren, der nur im Überdruss des Kindes enden kann? Und: Hätte man selbst Lust gehabt, damit zu spielen?