Seit Truffauts fulminanten Gesprächen mit Alfred Hitchcock sind Interview-bücher ein beliebtes Genre der Filmliteratur. Sie versprechen eine Intimität, die so begehrt ist - und doch nie zu erreichen. Einerseits steht die eher professionelle Frage im Zentrum: Wie haben Sie's denn nun gemacht, Mr. XY? Und andererseits das neugierige Interesse daran, was hinter den Kulissen geschah. Hitchcock hatte sich diesem zweiten Interesse noch strikt verweigert. Billy Wilder aber ist in seinen langen Gesprächen mit dem Journalisten, Autor und Regisseur Cameron Crowe (Jerry Maguire) mitteilsamer. Wie er über Marilyn Monroe ("ein endloses Puzzle ohne jede Lösung") oder Marlene Dietrich ("Mutter Teresa mit besseren Beinen") plaudert, über Jack Lemmon ("mein Jedermann") oder George Raft ("Er konnte weder lesen noch schreiben"), Raymond Chandler (ein "richtiger Dialog, das war alles, was er konnte") oder über Stroheim (und seine Vorliebe für Dessous), das ist so offenherzig wie vergnüglich.

Crowe treibt Wilder mit pointierten Kurzanalysen einzelner Filme zu detaillierten Bekenntnissen: über seine Vorliebe fürs Schwarzweiß, seinen Sinn für Ausstattung, sein Faible für Erzählerstimmen, seine Erinnerung an alte Meister und Vorbilder. "Lubitsch-Touch" nennt er den Witz nach dem Witz. "Man hatte einen Witz, man war zufrieden, und dann gab er noch einen obendrauf.

Den Witz, den man nicht erwartete." Lubitsch habe nie etwas "plump" erzählt, sondern "zwei und zwei" zusammengezählt, ohne "auch noch vier" sagen zu müssen. Vielleicht am berührendsten ist Wilders Beichte über sein Verhältnis zu den Zuschauern: "Man packt sie an der Kehle, ihr Herz schlägt schneller, und man lässt nie wieder los. Man drückt fester und fester zu. Dann am Ende, wenn sie erstickt nach Luft schnappen, lässt man los, und der Kreislauf kommt wieder in Gang."

Porträtieren:

Auch Analysen, Imagologien, Erkundungen, Porträts von Schauspielern stehen im Moment hoch im Kurs. An mehreren Universitäten fanden zu diesem Zusammenhang Symposien statt. Mehrere Verlage publizieren regelmäßig zur "Schauspielkunst im Film". Essaysammlungen zu einzelnen Stars gibt es immer häufiger (etwa bei Bertz in Berlin).

Der Band von Lowry und Kortes ist ein weiterer Versuch, dem "komplexen Phänomen" des "Stars" auf die Spur zu kommen, wenn auch zu modellhaft im Ansatz und oft zu umständlich (und formelhaft) in der Sprache. Interessant aber, wie differenziert der Begriff des "Star-Image" auf mehreren Ebenen reflektiert wird - ästhetisch, ökonomisch, historisch, medial, kulturell.

Peter Körtes Text zu Hedy Lamarr ist dagegen eher eine Hommage: Annäherung an eine Unbekannte und Liebeserklärung an das "hybride Gebilde aus Schatten, Licht, Zelluloid und Papier" zugleich. Körte arbeitet archäologisch: gräbt und gräbt, bis er hinter den Ruinen, die er zur Seite räumt, den erhofften Schatz entdeckt - die schweigende Sirene im Mosaik der schönen Lügen.