Hans Eichel, 58, Bundesfinanzminister, trat als 23-Jähriger in die SPD ein. Mit 34 Jahren war er bereits Oberbürgermeister von Kassel, seit 1999 ist er der Sparminister der Nation. Hier träumt Eichel davon, Häuser zu bauen: ein luxuriöses Bürohaus für seine Mitarbeiter und ein privates Häuschen in einem Weinberg. Das Foto zeigt ihn vor dem Weihnachtsbaum, der im Foyer des Bundesfinanzministeriums steht

"Ich möchte ein Ministerium bauen, in dem es einen Biergarten gibt und eine Bar. Wer nach Dienstschluss einen Wein mit Kollegen trinken will, kann das tun. Prost! Auf die Gesundheit. Und die Liebe!"

Auch beim Träumen kommt mein Charakter in mir durch, da mache ich mir nichts vor. Ich kann von nichts träumen, was von vornherein zum Scheitern verurteilt ist - nichts, was so irrational ist, dass ich oder andere Leute es nicht verstehen oder gebrauchen können. Träumen heißt für mich, realistisch zu bleiben. Denn ein Traum, der zerplatzt, weil man sich selbst dabei betrügt, ist doch eine fade Angelegenheit. Nein, ich bleibe da ganz Hans Eichel. Zwei Dinge bestimmen mein Leben, wie das anderer Menschen auch: Arbeit und Freizeit. Deshalb habe ich zwei Visionen, zwei Träume - und zwar von Häusern und wie sie sein sollten. Die Frage ist doch: Wie will man leben? Am Arbeitsplatz und daheim?

Der Traum vom Bauen wird genährt von einer Faszination für Architektur, die ich seit meiner Kindheit in mir habe. Träume von einem schönen Haus, von einem schönen Stuhl, einem schönen Bild, einem schönen Zimmer mit einem perfekten Schnitt. Ich lebe nicht unter freiem Himmel, ich sitze nicht auf Luft, und ich liege selten in einem Kornfeld. Deshalb spielt öffentlicher oder privater Raum, wenn ich ins Träumen oder Schwärmen gerate, eine große Rolle.

Baute ich ein Haus für meine Mitarbeiter, käme es darauf an, wo es steht. Nehmen wir ein Gebäude, das das Leben einer Stadt mit einbezieht. Während in den oberen Etagen Finanzbeamte Akten für Staat und Menschen durchkämmen, strömen unter den Arbeitsetagen die Menschen auf Einkaufsstraßen durcheinander und vergnügen sich. Oben sitzen die, die Geld einnehmen, und unten laufen die, die Geld ausgeben. Es ist ein freundliches Haus, weiß verputzt, mit großen Fenstern nach Süden, weil natürliches Licht wichtig ist für die Motivation. Ich mag indirektes Licht nicht, es ist mir zu mystisch. Also müssen helle Strahler an die Decken montiert sein, sie vertreiben die Müdigkeit. Ich bin für Einzelbüros, denn jeder Mensch muss auch mal für sich sein können. Ich will Gemeinschaft zulassen, aber sie nicht verordnen. Auch die Wände sind weiß, ohne Tapeten, und sie sind beweglich, sodass man aus einem Einzelbüro auch schnell mal ein kleines Gemeinschaftsbüro machen kann, wenn sich vier Mitarbeiter zusammensetzen und einfach nur lachen wollen.

Das Mobiliar ist klassisch funktional. Die Stühle sind Freischwinger, Chromgestelle mit schwarzem Leder. Die Tische haben große Flächen mit eingelassenen Bildschirmen, denn wer auf seinem Computer nach unten guckt, entlastet die Augen. Auch bei funktionaler Architektur muss Arbeit Spaß machen, muss etwas Schönes sein, etwas Befriedigendes - und nichts, was einem lästig ist. Steht dieses Haus nicht mitten in der Stadt, mitten im Leben, setze ich andere Akzente. Ein Haus wie ein Quadrat, mit einem geschlossenen Innenhof. Die Kantine ist ein Biergarten unter Bäumen. Ob vielleicht der Hof wegen des wechselhaften Berliner Wetters überdacht ist? Es wäre doch schöner, vom Büro aus den Regen zu sehen, Sonnenlicht zu haben und keine Klimaanlage. Also kein Dach.

Ein Buchladen gehört in mein Ministerium, an der Wand des Foyers sind Videoinstallationen, die wartende Besucher unterhalten. Installationen, die die Reizworte des Lebens aufgreifen und visuell umsetzen. Ich mache Ausstellungen, die ständig wechseln, damit sich die Mitarbeiter nicht langweilen. Es gibt einen zentralen Raum, in dem gläubige Menschen beten können und Nichtgläubige Ruhe finden.