Armenien spielte mit Europa ebenfalls Katz und Maus. Das Land ließ sich ein paar Sicherheitsreparaturen seines erdbebengefährdeten Kraftwerks Medzamor bezahlen - und rückt nun von der Zusage ab, die Blöcke bis 2004 stillzulegen

es sind russische Reaktoren der ersten Generation, die sich nach Ansicht aller Fachleute nicht mehr sicherheitstechnisch aufmöbeln lassen. Am ärgsten indes treibt es Russland. Putins Staat will seine Uraltreaktoren der ersten Generation nicht abschalten, sondern über die geplante Lebensdauer hinweg weiter betreiben, darunter sogar solche vom Typ Tschernobyl.

Noch nicht einmal ihren östlichen Beitrittskandidaten hat die EU ein Sicherheitsregime aufgezwungen. Ende Oktober veröffentlichte der Arbeitskreis europäischer Genehmigungsbehörden (Wenra) einen Bericht, zwischen dessen Zeilen sich eine niederschmetternde Bilanz abzeichnet: In fast allen Reaktoren der Beitrittsländer treten Sicherheitsmängel auf. Besonders dramatisch ist die Lage an den Standorten Kosloduy (Bulgarien) und Bohunice (Slowakei). Gleichwohl, die Maschinen laufen weiter und werden frühestens in ein paar Jahren dichtgemacht

die Stilllegungstermine, auf denen die Kommission - man kann nicht gerade sagen - beharrt, liegen jeweils nur zwei Jahre vor dem ohnehin geplanten Betriebsende der Reaktoren: nichts als Augenwischerei.

Extrem ist der Fall Litauen. Am Standort Ignalina wird der Strom von zwei Tschernobyl-Reaktoren produziert, die über das allzu bekannte, typenbedingte Risiko hinaus gefährliche Mängel aufweisen - der Wenra-Report spricht von drohenden Rissen in Kühlmittelleitungen und anderen Gefahren. Im Juni, als die EU mit 200 Millionen Euro winkte, sagte Litauens Regierung zu, die beiden Meiler noch in diesem Jahrzehnt abzuschalten. Doch Rolandas Paksas, Litauens neuer Präsident, vollführte Ende Oktober eine Kehrtwende und will nunmehr "für Ignalina kämpfen".

Die Schuldigen sitzen keineswegs nur in Osteuropa

wer nach ihnen sucht, muss sich auch in Brüssel umsehen. Mit deutlichen Worten wies der Europäische Rechnungshof im vergangenen Jahr darauf hin, dass auf den zuständigen Amtsstuben der EU-Kommission Unordnung und Schlendrian herrschten. Der Stand der Dinge werde "verschönert dargestellt", das "Anlegen geordneter Akten" sei "nicht vorgesehen"