Auktionen haben immer auch etwas von einer Olympiade - dauernd werden (preisliche) Höchstleistungen angestrebt und müssen Rekorde gebrochen werden: kleine und große, europäische, weltweite, solche für das Haus selbst und natürlich auch für die Künstler, die bekanntermaßen nur bedingt etwas davon haben. Es bleibt abzuwarten, wie der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments in diesen Tagen in Straßburg die Gesetzesvorlage zur Harmonisierung des Folgerechts entscheiden wird, das Künstler und ihre Nachfahren beim Wiederverkauf eines Werkes in ganz Europa finanziell beteiligen könnte.

Auch im Jahr 2000 haben die Auktionshäuser in New York, London, Paris, Madrid und in deutschen Landen das Kunst-Roulette munter weiterlaufen lassen und weisen wieder stolz die Rekordergebnisse vor: Mit rund 55 Millionen Dollar mit Aufpreis war Picassos Femme aux bras croisés von 1901/1902 bei Christie's in New York mit Abstand das teuerste Gemälde des Jahres. Bei einem siebenminütigen Bietgefecht ging das aus der Sammlung von Gertrude Stein stammende und seit 1936 in einer Privatsammlung in Chicago befindliche Bildnis telefonisch an eine neue, ungenannte Adresse.

Schaut man die Top-Twenty-Listen der beiden großen Auktionshäuser Christie's und Sotheby's an, so fällt auf, dass es bei den Zuschlägen im Bereich von 3,5 Millionen Dollar aufwärts immer noch die Impressionisten sind, die die hohen Preise bringen: Claude Monets Le Portail (Soleil) wechselte für knappe 25 Millionen Dollar bei Sotheby's den Besitzer, es folgen Manet, Matisse, Modigliani zwischen 20 und 15,6 Millionen Dollar. Nur gelegentlich schmuggelt sich ein Fremdkörper in die Hitliste oberhalb der Millionengrenze ein wie zum Beispiel ein Ferrari 300 P3 aus dem Jahr 1966 für 5,6 Millionen Dollar.

Gesicherte Werte der Spitzenklasse sind offensichtlich immer noch am gefragtesten. Aber auch unter den Zeitgenossen sind Spitzenergebnisse zu verzeichnen, wie die New Yorker Auktionen im November zeigten: 1,7 Millionen Dollar für die Yellow Flowers von Andy Warhol, 750 000 Dollar für Damien Hirsts Love in - Love out, und Gerhard Richters Der Kongress (Professor Zander), eines der verwischt grauen, nach Fotos entstandenen Gemälde von 1965, kletterte auf 4,5 Millionen Dollar - so viel hatte bisher noch niemand für einen Richter hingeblättert. Auch Yves Kleins leuchtend kobaltblaue Komposition RE 1 von 1958 mit aufgesetzten Schwämmen aus der Sammlung Frieder Burda setzte mit 6,1 Millionen Dollar neue Maßstäbe. Der Versuch allerdings, ein Bild Untitled, (White, Yellow, Red on Yellow) von Mark Rothko aus dem Jahr 1953 mit 15 bis 20 Millionen Dollar anzusetzen, misslang, das Werk wurde schnell zurückgezogen.

Noch stehen in diesen Tagen einige Auktionen alter Meister aus, wobei sich ein Hauptaugenmerk auf Rembrandts Porträt einer 62-jährigen Dame von 1632 mit einer Taxe von fünf Millionen Pfund bei Christie's in London richtet. Das jetzt bei Drouot versteigerte kleine Lukas-Cranach-Lindenholz-Tafelbild Venus und Amor, der Honigdieb von 1538 war mit 18,83 Millionen Französischen Franken der bisher höchsten Zuschlag für den Hauptmeister der Reformationszeit und auch bei Neumeister in München, wo Carl Spitzwegs Der Ewige Hochzeiter auf 800 000 DM geschätzt und für 2,9 Millionen Mark inklusive Aufgeld und Steuern versteigert wurde, war mal wieder ein kleiner Rekord zu verzeichnen.

Den beiden Marktführern Christie's und Sotheby's hat Phillips inzwischen mit einer neuen, aggressiveren Politik seines Besitzers und Teilhabers an Luxusmarken wie Christian Dior und Moët & Chandon, Bernard Arnault, ganz schön etwas entgegensetzen können - unter anderem auf dem Sektor der zeitgenössischen Fotografie, die auch andernorts, beispielsweise bei Lempertz in Köln, nicht gekannte Preishöhenflüge erreichte. Phillips wie auch viele andere Auktionshäuser haben im Jahr 2000 neue Nischen für sich entdeckt: Phillips setzte auf Avantgarde-Möbel großer Designer, Christie's erstmalig auf italienische Kunst des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich versuchen die beiden Marktführer junge, neue Käuferschichten mit Partys, Stars und Events an die Häuser zu ziehen. Das bringt Spaß, und es scheint die Jungverdiener wenig zu stören, dass die beiden Auktionshäuser durch Preisabsprachen ins Gerede gekommen sind und ihnen eine Flut von Klagen ins Haus steht.

Mit einer ganzen Reihe von Rekorden konnte sich gleich das Stuttgarter Auktionshaus Nagel in diesem Jahr schmücken: 350 000 Porzellanteile der 1822 auf dem Weg nach Java gesunkenen Dschunke Tek Sing. Acht Tage lang ging der Hammer 16 100-mal nieder und brachte einen Bruttoerlös von 22,4 Millionen Mark. Zu dieser vom Hauch der abenteuerlichen Schatzsuche profitierenden Versteigerung boten 5000 Kunden in dem eigens aufgeschlagenen Zelt, 4000 schriftliche Gebote lagen vor, 300 Interessenten steigerten am Telefon, und mehr als 500 Käufer sicherten sich ihre Teller, Tassen und Schüsseln im Internet. Mit 13 Prozent Internet-Zuschlägen auch das eine Drehung mehr der Schraube nach oben.