"Ein Jahr ohne große Katastrophe ist ein schlechtes Jahr für uns" - der Spruch eines bayerischen Rot-Kreuz-Funktionärs ist so zynisch wie wahr: Für das zu Ende gehende Jahr verzeichnet das DRK einen dramatischen Rückgang der Spendenbereitschaft der Deutschen. Die Spender des Herrmann-Gmeiner-Fonds, der in Deutschland Geld für die SOS-Kinderdörfer in aller Welt sammelt, geben allerdings großzügig wie eh und je. So auch die ZEIT-Leser. In der vergangenen Woche baten wir sie um weitere Spenden für das Kinderdorf in Byumba/Ruanda. (Seit 1996 war bereits rund eine Million Mark zusammen gekommen.) Und auch diesmal ist die Resonanz auf unseren Aufruf überwältigend. Hier noch einmal die Bankverbindung: Hermann-Gmeiner-Fonds, Konto 69 12 000 bei der Deutschen Bank München (BLZ 700 700 10), Kennwort DIE ZEIT *.

Merz' wilde Jugend

Letzte Woche druckten wir in dieser Spalte ein "Wort der Woche" von Friedrich Merz ab. Der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte in einem Zeitungsinterview aus seiner Jugend berichtet: "Ich hatte schulterlange Haare, bin mit dem Motorrad durch die Stadt gerast, mein Stammplatz mit zwei Freunden war die Pommesbude auf dem Marktplatz." ZEIT-Leser Erich Ferdinand, geb. Tegeler, schreibt uns dazu, einer dieser Freunde "müsste wohl ich gewesen sein". Seine Erinnerung ist eine etwas andere: "Schulterlange Haare?

Merz? Nie im Leben! Unser Kumpel hatte schon immer die Frisur, die er heutzutage trägt, jedenfalls, solange ich ihn kenne ... Natürlich hatte er relativ früh Probleme mit den Eltern, die hatten wir alle. Die Revolte, die er in frühpubertären Jahren versuchte, endete jedoch ruhmlos am Stammtisch der Jungen Union im Gasthaus Zur Wolfsschlucht ..." Der Dritte im Trio, "Uli, der jetzt Rechtsanwalt in Berlin ist ... hatte zeitweise ein Zündapp-Mofa", schreibt Ferdinand, "ich irgendein französisches Fabrikat, Friedrich hatte gar keines. Auch kein Motorrad. Einmal ist er wohl mit dem alten DKW-Moped von Heinz P. ein bisschen durch die Felder gefahren, aber das Ding war total hin und konnte überhaupt nicht mehr rasen ..." Und wie war das mit der Pommesbude auf dem Markt? "In Brilon", so Merz' alter Freund, "hat es noch nie eine Pommesbude auf dem Marktplatz gegeben, es sei denn vielleicht zur Michaeliskirmes - für drei Tage im Jahr. Aber vielleicht meint er ja das Hotel-Restaurant Starke ... Dort waren wir manchmal, oft auch im katholischen Jugendheim Alfred-Delp-Haus und im Drübel, das ist ein schöner Wald in der Stadt, wo wir im Sommer gern heimlich Bier tranken. Und natürlich waren wir auch oft in der Pommesbude, aber die befand sich am Steinweg, einen Kilometer vom Markt entfernt." Im Übrigen nenne man derartige Etablissements in Brilon "Frittenbude".