Klare Worte in Sachen Werbung fand das Bundesverfassungsgericht. Vor fünf Jahren hatte der Bundesgerichtshof dem Hamburger Magazin stern drei Anzeigenmotive untersagt, die der Fotograf Oliviero Toscani für den italienischen Pulloverfabrikanten Luciano Benetton gemacht hat. Die Anzeigen - eine ölverschmierte Ente, Kinderarbeit und ein HIVpositiv-Stempel auf einem männlichen Gesäß - erfüllten, so der BGH, den Tatbestand des Kundenfangs mit Gefühlsausnutzung und verletzten die Menschenwürde. Das haben die Verfassungsrichter jetzt korrigiert. Die so genannte Schockwerbung ist sehr wohl mit dem Grundgesetz vereinbar, das nicht dazu da sei, den guten Geschmack zu verteidigen. Der Bürger müsse vor dem Elend der Welt nicht vom Staat geschützt werden. Das gilt auch für Werbung.