Donnerstag, 7. Dezember: Hossam Sharkawi steht vor einer Pinnwand und liest die Zahlen vor. 86 Angriffe auf Ambulanzen des "Roten Halbmonds Palästina". Ein toter Fahrer. Eine Grafik zeigt wie eine Fieberkurve die Opfer der Al-Aksa-Intifada. Stand um Mitternacht am 5. Dezember: 275 Tote, 9975 Verletzte. Mehr als 70 der Getöteten sind Kinder unter 18 Jahren.

Sharkawi leitet die Nothilfe-Einheit in der Zentrale in Ramallah, der heimlichen Hauptstadt der autonomen Palästinensergebiete. In den vergangenen Tagen habe die Gewalt ein wenig nachgelassen, sagt er. Die Zahl der Verletzten, die von scharfer Munition getroffen wurden, habe gleichwohl zugenommen.

Von der Zentrale des Roten Halbmonds aus sieht man die israelische Siedlung Psagot, vielleicht einen Kilometer entfernt, hoch auf einem Hügel liegen.

Dort oben stehen israelische Panzer. Abends feuern sie Raketen auf die Stellungen palästinensischer Feuerschützen. Drei Stunden dauerte die bisher längste und folgenschwerste Schlacht.

In den Spätnachrichten die wie immer blutige Bilanz des Tages - diesmal relativ moderat und mit Opfern auf der anderen Seite: Drei Siedler und zwei israelische Soldaten wurden verletzt. Die Palästinenser rufen für Freitag und Samstag zwei "Tage des Zorns" aus. Zum Jahrestag der ersten Intifada, die am 9. Dezember 1987 im Gaza-Streifen begonnen hatte.

Freitag, 8. Dezember: Ein stiller Nebenschauplatz der Intifada. Die Olivenhaine um Masra Al-Kabliye, ein Bauerndorf nordwestlich von Ramallah.

Eigentlich ist die Erntezeit schon vorbei, aber seit Ausbruch der Unruhen ist die Olivenernte zu einem gefährlichen Unterfangen geworden. Deshalb dauert sie immer noch an.