Der Artikel erweist dem schwierigen Demokratisierungsprozess in meinem Land keinen guten Dienst. Die Gleichsetzung von Jean Bertrand Aristides mit Duvalier verharmlost nicht nur den Schrecken, den diese Diktatur mehr als 30 Jahre verbreitet hat. Die in der Berichterstattung erkennbare Schwarzweißmalerei, die ausschließlich die Meinung der politischen Opposition wiedergibt, ist nicht gerade geeignet, dem komplizierten politischen Spektrum in Haiti gerecht zu werden.

Ein Beispiel: Wer in dem Boykott der Wahlen durch die Opposition einen Beweis für undemokratische Verhältnisse im Land sieht, sollte als Journalist einen Schritt zurücktreten und die letzten fünf Jahre in die Betrachtung mit einbeziehen. Dann wird unmittelbar deutlich, dass es der Opposition in dieser Zeit nicht gelungen ist, eine tragfähige, handlungsfähige und glaubwürdige Alternative zur Lavalas-Bewegung zu entwerfen - und dass ein Wahlboykott durchaus hilfreich sein kann, diesen Umstand zu verschleiern. Das schwerwiegendste Problem in Haiti war in der abgelaufenen Legislaturperiode gerade die systematische Blockierung der parlamentarischen Arbeit durch einen der radikalen Flügel der Opposition. Dass diese dann bei den Wahlen kaum auf Unterstützung durch die Wähler hoffen konnte, ist verständlich.

Dr. Alrich Nicolas Botschafter der Republik Haiti Berlin