Wenn sich wenigstens die Erde aufgetan hätte. Aber im Theater ist es nicht besser als in der Realität. Ächzend erträgt der Globus die menschliche Widerwärtigkeit, bis sie an sich selbst erstickt. Die blaue Halbkugel, auf der im Dresdener Schloßtheater Ralf N. Höhfelds Fettes Stück spielt, hätte eigentlich vor Wut platzen müssen. Denn Adipös hat rein gar nichts von jener ausgehungerten Tücke, mit der Helmut Krausser unsere Fette Welt in die Speckseiten kneift. Kein Gedanke daran, dass die Konsumgesellschaft bereits die letzten Bestände ihres humanistischen Erbteils gegen Schokoladenweihnachtsmänner eintauscht. Weder ein Wort über die Salonfähigkeit des Hedonismus, noch ein Seitenhieb gegen den Körperkult.

Stattdessen trapsen 15 aufgepolsterte Figuren - wild grimassierend und gestikulierend - durch eine vulgäre Szenenfolge voller Zoten, Ressentiments und monströser Hinterteile. So bleibt das Motto des Abends leider auch dessen geistreichster Moment: "Über Gewicht spricht man nicht, Übergewicht hat man."

Warum suggeriert ein Staatsschauspiel seinem Publikum, es gebe keine Probleme mehr, über die man sich auf kultivierte Weise amüsieren oder gar mit kulturkritischem Impetus echauffieren könnte? Vermutlich weil im Osten seit zehn Jahren alles Opium vergriffen ist und man nun hofft, das Volk kurzerhand mit Glasmurmeln zu kaufen.