Wieder irren wir durch die Fußgängerzone und suchen verzweifelt nach Geschenken. Im kommenden Jahr werden wir es zum Glück leichter haben. Was wir 2001 untern Weihnachtsbaum legen, steht heute schon fest: dünne, durchsichtige Beutelchen von der Bundesregierung, gefüllt mit ein paar Münzen. Nahezu jeder Deutsche soll nächste Weihnachten solche Geld-Beutel bekommen. Über fünfzig Millionen hat Berlin schon in Auftrag gegeben, damit sie zur nächsten Bescherung wirklich alle fertig sind. Am 17. Dezember 2001 wird sie dann jeder bei seiner Bank abholen können - für zwanzig Mark. Die Beutel-Aktion haben sich Hans Eichels Werbestrategen ausgedacht, um uns behutsam an das neue Bargeld heranzuführen, das von 2002 an gelten wird. Im Beutel befindet sich ein so genanntes Starter-Kit der künftigen Münzen. Kit ist die neue Bezeichnung für Set. Früher hat man dazu Satz gesagt und noch früher Garnitur. In dem Beutelchen steckt also eine komplette Kollektion des neuen Hartgeldes. Euro und Cent. Oder heißt es Cents? Und wie spricht man das überhaupt aus? Sends oder Tsents oder Zents oder Kents? Oder gar französisch (wie klingt Cents auf Französisch?)? Die Regierung hat Recht. Wir brauchen wirklich ganz dringend ein Starter-Kit. Unterm Weihnachtsbaum werden wir ganz vorsichtig das Beutelchen aufschneiden und uns den neuen Münzen annähern.

Ausgeben dürfen wir das Geld ja nicht, jedenfalls nicht vor Neujahr 2002.

Deshalb werden wir es betasten und es streicheln. In weihnachtlicher Stimmung werden wir versuchen, uns mit ihm anzufreunden, es genauso zu lieben, wie wir Mark und Pfennig geliebt haben. Schade eigentlich, dass wir die Beutelchen erst nächste Weihnachten kriegen. Könnte die Bundesregierung nicht jedes Jahr für die Geschenke sorgen?