Es gibt Filme, die sind kein Fall für die Kritik. Sie erzählen nichts, sie zeigen nichts, sie projizieren Wünsche als Ideologie auf die Leinwand. Solche Filme möchte man zur Behandlung an die Kolleginnen und Kollegen von der Sozialpsychologie, der Kulturgeschichte oder der Alltagsforschung weiterreichen. Aber Filme wie Brett Ratners Family Man nehmen die auch nur ungern an. Aus Gründen der Offensichtlichkeit. Ein junger Mann im Pullover verabschiedet sich auf dem Flughafen von seiner Freundin. Schnitt. Nach ein paar Jahren ist er, ohne sie, ein Karrierist im Designeranzug geworden.

Wallstreet. Geld macht sexy, Kollegen fertig machen Spaß, und Weihnachten wird gearbeitet. Auf dem Heimweg gerät der Mann an einen schwarzen Engel.

Schnitt: Der schickt ihn in das Leben, das möglich gewesen wäre, wenn er damals nicht geflogen wäre. Ein Vorstadthaus, Schulden, zwei Kinder. Ein Leben als Reifenverkäufer. Unser Freund versucht mit Macht, in die alte Existenz zurückzukehren. Aber da sind diese großen Kinderaugen. Die liebende Frau. Er lernt dieses Leben zu lieben, zwischen Windelwechseln und Bowlingbahn und Weihnachten mit den Kindern. Denkt nicht daran, dass man bei diesem Leben bald nicht mehr wie Nicolas Cage, sondern wie Homer Simpson aussieht. Da kommt der Engel wieder, und schnipps! ist unser Freund zurück im Wallstreet-Leben. Will er aber nicht mehr. Und macht sich auf die Suche nach seiner Geliebten von damals, die jetzt auch single, reich und ein bisschen zickig ist. Das Kleinbürgeridyll besiegt den Turbokapitalismus. Wenn der Mensch auf dem freien Markt Angst vor der Welt und sich selbst bekommt, lässt er sich in seine regressive Mitte fallen. Das Sozialmärchen, rückwärts erzählt - genau das bietet Family Man, keine Selbstironie, keine Abgründe.

Nur ab und an hört man ein Rumpeln im Untergrund. Muss wohl Frank Capra sein, der sich im Grabe umdreht.