Fidel Castro hat die Nase voll von Wirtschaftssanktionen der Amerikaner - und verhängt jetzt selber welche. Der máximo løder kappt in diesen Tagen alle Telefonleitungen in die USA, weil die dortigen Telefongesellschaften (auf Geheiß ihrer Regierung) eine kubanische "Sondersteuer" nicht akzeptieren. Es ist die jüngste Runde im amerikanischkubanischen Handelskrieg - und das jüngste Beispiel für einen weltweiten Trend. Wirtschaftssanktionen sind in Mode wie nie. Das Embargo gegen den Irak macht gerade wieder Schlagzeilen, die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) trommelt für Sanktionen wegen der Zwangsarbeit in Birma, die Uno hat seit 1990 schon neun Wirtschaftsboykotte verhängt. Der Weltmeister aber sind die Vereinigten Staaten: Etwa die Hälfte der Erdbevölkerung ist zurzeit wegen Atombomben, Drogenplantagen, Terroristen oder außenpolitischer Bockigkeiten mit irgendwelchen amerikanischen Sanktionen belegt.

Es ist natürlich klar, dass Kubas tote Telefone vor allem den Kubanern schaden - die jetzt nicht mehr so einfach und billig mit ihren Exilverwandten in Florida telefonieren können. Ökonomen haben ganz generell eine vernichtende Meinung zu Boykotten im Welthandel: Wer sanktioniert, schneidet sich ins eigene Fleisch. Die Wirtschaft des sanktionierenden Landes muss nämlich den "Anpassungsschock" verdauen, wenn plötzlich ihre Handelspartner fehlen - Arbeitsplätze können wegfallen. Das Vertrauen aller anderen Handelspartner wird auch erschüttert. Wenn ständig boykottiert wird, kann man die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung nicht mehr nutzen - in der jeder nur noch das herstellt, was er am besten macht.

Dieses Lehrbuch-Szenario trifft fraglos dann ein, wenn der Sanktionierte mit einem knappen Gut handelt - das sich nur viel teurer anderswo beschaffen lässt. Öl zum Beispiel. Und es tritt ein, wenn sich hoch entwickelte Länder gegenseitig boykottieren - deren Wirtschaft dank Handel einen hohen Spezialisierungsgrad erreicht hat.

Doch in den meisten Fällen ist es anders. Der größere Teil der Sanktionen wird gegen Entwicklungsländer erlassen. Und wenn es schon Boykotte zwischen entwickelten Industrieländern gibt, dann trifft es in der Regel auffällig unwichtige Produkte: Rindfleisch, Südfrüchte, schottischen Whisky. Reiche, sanktionierende Staaten picken sich für ihre "Strafen" solche Produkte heraus, die sie besonders leicht ersetzen können. Sie stoppen Handelsströme, die sowieso subventioniert und verzerrt sind: bezuschusste Militärexporte oder subventionierte Agrarimporte zum Beispiel. Untersuchungen zeigen, dass die Nettofolgen für den Sanktionierer vernachlässigbar sind - und für den US-Ökonomen Richard Farmer ist der "Effekt häufig sogar positiv".

Sprich: Wenn man genau hinschaut, haben Ökonomen gegen den Batzen der Wirtschaftssanktionen wenig vorzubringen. Sanktionsgegner können sich aber immer noch an die Politologen wenden. "Sanktionen erreichen selten etwas", stellt ernüchtert Gary Clyde Hufbauer fest, der alle paar Jahre sämtliche Wirtschaftssanktionen der USA auswertet. Im Gegenteil: Je drakonischer ein Diktator regiert, desto weniger schert er sich um Boykotte und desto glaubwürdiger klingen seine Rückschlagdrohungen - siehe Irak und das Öl.

Sanktionen treffen dann nur die unschuldigen Armen im Land.