Aber damit würde das Problem erst beginnen: Alles hängt von der Art der Insel ab. Denn meine Lieblingsinseln sind die karibischen, und ärgerlicherweise sind sie nicht unbedingt weinfreundlich. Zum karibischen Klima und seinen Zigarren passt nun einmal Rum am besten, nicht Wein. Ginge es nach dem Rum, so wäre - neben Kuba - Antigua die Insel der Wahl (Cavalier heißt der beste Rum dort; in London wird er unter dem Namen "London Harbour" in einer lauten Reggae-Kneipe verkauft, die inmitten eines ziemlich karibischen Marktes im äußersten Osten der Stadt liegt). Eine Alternative wäre Trinidad, wegen des Royal Oak Rums (sanfter Medizinalton), noch dazu, weil's die interessantere Insel ist.

Aber zurück zum Wein auf der Insel: Da gibt es zum Beispiel das Graycliff, den Luxus-Schuppen in Nassau (Bahamas). Ich habe es besichtigt, die imposante (auf altmodischem Computerpapier gedruckte) Weinkarte studiert, aber gegessen und getrunken habe ich dort dann doch nichts. Erstens wegen der exorbitanten Preise. Und zweitens wegen des Klimas. Klar, es gibt eine Klimaanlage, aber der jede karibische Einrichtung verschmuddelnde Angriff warmer, feuchter und salziger Meeresluft ist selbst in diesem Tempel unübersehbar. Bordeaux, und die obige Liste verrät meine Vorliebe dafür, passt einfach nicht hierher, Riesling ebenso wenig. Apropos: Es gibt jamaikanischen Riesling. Grausiges Zeug. Auf Jamaika empfehlen sich vielmehr Rum (möglichst alter Appleton), der beste Kaffee der Welt (Blue Mountain Coffee von der Mavis Bank Factory, kann ebenfalls via London gekauft werden: ( www.jamaicablue.co.uk ) und, nun ja, Zigarren: aber lieber nicht die ruppigen Teile von dieser Insel sondern die braunen Schönen aus dem sozialistischen Nachbarland Kuba. Ist es Einbildung, dass Zigarren in den Tropen besser schmecken?

Es gibt freilich eine Insel, die eine Weinreise wert ist: Sylt. Inmitten der Dünen liegt ein Restaurant namens Sansibar, und es hat einen Weinkeller von Gnaden, mit passender Küche. Während unsereiner noch holsteinisches Rind kaufte, aß man dort schon seit langem Rinderfilet von den Rocky Mountains: kurzgebraten und doch butterweich, mit einem Aroma, das nach feinem Bordeaux rief.

Jaja. Wer kann sich das alles leisten. Aber was jeder kann, ist dies: In Phantasien schwelgen! Oder in Erinnerungen. Merke: Nichts, was wir genießen, geht verloren.

In diesem Sinne grüßt

Anregungen und Kritik wie immer gerne an randow@zeit.de