O-Ton Kohl: Es geht doch schlicht und einfach darum, dass ein verbrecherisches Regime auf eine unrechtmäßige Weise Menschen abgehört hat. Damit hat dieses Regime Opfer erzeugt. Helmut Kohl ist ja ein Opfer. Jetzt ist es doch ziemlich absurd, dass Mielke über ein Jahrzehnt nach seinem Abtreten aus der Herrschaft den Triumph hat, dass Ergebnisse seiner verbrecherischen Tätigkeit jetzt in die Politik eingesetzt werden. Das ist eine Frage, die die allermeisten in irgendwelchen Führungsfunktionen, soweit sie für die Stasi interessant waren, in der alten Bundesrepublik betrifft. Es ist der Herr Schily natürlich genauso wie der Herr Schröder. Das ist Oskar Lafontaine, das ist Willy Brandt, das ist Herr Rau. Sie können nehmen wen Sie wollen. Im Moment tut man ja so, das sei eine Sache Helmut Kohls. Das ist überhaupt keine Sache Helmut Kohls. Es käme in keinem Land der Welt jemand auf den Gedanken. Das andere Argument, das ist jetzt höre, das sei ein Unterschied zwischen Ossi und Wessi, das ist besonders lächerlich. Das entscheidende Kriterium ist: ist einer Opfer oder ist er Täter.

Gerner: Helmut Kohl wehrt sich also gegen die Veröffentlichung seiner Stasi-Akten durch die Gauck-Behörde. - Am Telefon ist jetzt Norbert Geis, rechtspolitischer Sprecher der CDU im Bundestag. Guten Morgen!

Geis: Guten Morgen.

Gerner: Herr Geis, stehen Sie bedingungslos an der Seite Helmut Kohls?

Geis: Ja. Ich bin der Meinung, dass die Stasi-Akten nicht herausgegeben werden dürfen. Wir hatten ja schon einmal eine Entscheidung des Kieler Landgerichtes: 1995 im damaligen Untersuchungsausschuss. Dort ging es um die Akten von Engholm. Auch damals hat das Kieler Landgericht bereits erklärt, die Akten werden nicht herausgegeben, weil sie eben auf verbrecherische Weise erlangt worden sind. Die Informationen sind auf verbrecherische Weise erlangt worden.

Gerner: Das Stasi-Gesetz ist aber eines, das die Regierung Kohl damals erlassen hat. Jetzt beklagt er, wofür er sich selbst früher stark gemacht hat.

Geis: Nein. Das Stasi-Gesetz sagt ja auch gar nicht, dass die herausgegeben werden müssen, sondern das Stasi-Gesetz sagt, dass die Persönlichkeit des einzelnen zu schützen ist. Ich glaube wenn man das Stasi-Gesetz konsequent anwenden würde, dann würde man zu dem Ergebnis kommen, zu dem das Landgericht Kiel 1995 schon gekommen ist - damals gab es ja schon das Stasi-Gesetz -, dass die Akten nicht herausgegeben werden dürfen.