Steiner: Guten Morgen Herr Heinemann.

Heinemann: Herr Steiner, was erwarten Sie von der Wahl?

Steiner: Ja, ich rechne eigentlich mit einer Art ‚demokratischen Weihnachtsgeschenks'. Ich habe gestern abend noch mit Zoran Djindjic gesprochen, der guten Mutes ist, diese Wahlen, die ja wichtig sind, zu gewinnen. Das würde heißen, dass wir jetzt eine Art Schlussstein für den Machttransfer an die demokratische Regierung in Serbien erreichen können. Man darf ja nicht vergessen, dass Kostunica nur Präsident von Jugoslawien ist. Die Republiksebene - Jugoslawien ist ja eine Bundesrepublik - ist sicherlich ebenso bedeutend, denn dort sitzen ja viele Machtinstitutionen.

Heinemann: In Südserbien zündelt die UCPMB. Wie sollten Kostunica und wie solle die künftige Regierung Serbiens damit umgehen?

Steiner: Ich glaube, in Zusammenarbeit mit KFOR. Das geschieht ja auch. Ich habe den Eindruck, dass man hier in Belgrad durchaus erkannt hat, dass man nur mit einem versöhnlichen Kurs der Zusammenarbeit mit KFOR hier weiterkommt. In der Tat ist ja diese Frage explosiv, aber im Vordergrund dieser Regierung werden doch sehr bedeutsame Aufgaben stehen - der Regierung, von der ich erwarte, dass sie von Zoran Djindjic geführt wird, die wir auch unterstützen werden. Wenn ich nur darauf hinweisen darf: Die belastet ja ein Erbe von 10 Jahren Krieg; eine Revolution schafft ja noch keine Arbeitsplätze. Man wird dort auch die alten Eliten endgültig von der Macht entfernen müssen. Da gibt es ja noch eine Art Mafia - die Sicherheitskräfte. Es muss das Verhältnis mit Montenegro geregelt werden, und dann - auch ganz wichtig - muss das Verhältnis mit den Nachbarn weiter normalisiert werden.

Heinemann: Nochmal kurz zu dem Konflikt in Südserbien. Sollte man es den Serben erlauben, dort auch schwere Waffen einzusetzen, um den Spuk zu beenden? Das ist ja laut Abkommen von Kumanovo nicht erlaubt bisher.

Steiner: Ich glaube wiederum, diese Fragen müssen mit KFOR besprochen werden, und diese Gespräche werden ja auch aufgenommen. Nur in Zusammenarbeit wird sich dieses Problem lösen lassen. Aber ich glaube, dass sowohl der jugoslawische Präsident als auch der zukünftige - ich hoffe, der zukünftige serbische Ministerpräsident wissen das und werden sich auch entsprechend einstellen.