Seit Sonnenaufgang suchen wir eine der vier Gorillafamilien, deren Oberhäupter nach berühmten Filmregisseuren benannt wurden. Vorneweg, in Gummistiefeln, Zephirin Okoko, ein Fährtenleser aus dem Kongo. Er schlägt mit seiner Machete den Weg frei. Liest in Blättern und Zweigen, deutet Laute, entziffert Dung. Und nimmt, als verfüge er über einen sechsten Sinn, immer wieder die Spur auf.

Okoko war früher Jäger, doch darüber will er nicht sprechen. Er sagt nur: "Es ist nicht schwer, die Gorillas zu finden." Aber es werden immer weniger, auf die man treffen kann. Über unserer Expedition könnte das Motto stehen: Besuchen Sie die Menschenaffen, solange es sie noch gibt.

"In der Morgendämmerung des neuen Millenniums sieht es finster aus für unsere engsten Verwandten im Tierreich", meint Ian Redmond, ein Schüler der legendären Affenforscherin Dian Fossey, die im Kampf für ihre Lieblinge in den Bergen Ruandas ermordet wurde. Ihre nicht minder berühmte Kollegin Jane Goodall gibt den Menschenaffen noch zehn bis zwanzig Jahre. Dann könnten sie Legende sein und einem vorkommen wie Fabelwesen, wie King Kong, einer wilden Fantasie entsprungen.

Vier der fünf vom Aussterben bedrohten Menschenaffenarten leben im tropischen Afrika. Von den einst millionenfach verbreiteten Schimpansen (Pan troglodytes) sind noch ungefähr 187 000 übrig geblieben, von den Bonobos (Pan paniscus) etwa 40 000. Die Zahl der letzten Tiefland-Gorillas (Gorilla gorilla) wird auf 94 000 geschätzt, die der Berggorillas (Gorilla beringei) auf 17 000. Besonders gefährdet ist die Subspezies Gorilla beringei beringei, von der es gerade noch 300 Exemplare gibt.

Der Lebensraum der Menschenaffen, der tropische Regenwald, schwindet rapide. Hauptursachen sind der industrielle Holzeinschlag, Brandrodungen und die Entnahme von Brennholz. Zugleich sind die großen Affen eine profitable Beute für kommerzielle Jäger, Wilddiebe und Tierfänger, die es bevorzugt auf Jungtiere abgesehen haben. Bedroht werden die Affen aber auch durch Kriege, Anarchie, Staatszerfall - und durch ansteckende Krankheiten, die vom Kontakt mit Menschen ausgehen.

Auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen Menschenaffen ganz oben. Der frühere Bundesumweltminister Töpfer, heute Chef der UN-Umweltagentur Unep, appelliert an das Gewissen der Welt: "Wir können nicht daneben stehen und die Katastrophe einfach geschehen lassen!"

Libreville, Gabon. Der Markt von Lalala liegt an einer Kloake, die früher ein Flüsschen gewesen sein muss. Kassawas, Tomatenpyramiden, Trockenfisch, ringsum Bierbuden. Ganz hinten die Stände der bayams, der Marktfrauen, die mit Wildfleisch handeln. Derzeit im Angebot: Pythonschlange in 3-Kilo-Portionen, Gazelle, Buschratte. Und ein 90 Zentimeter großes Tier mit schwarzem seidigem Fell und igelartigem Schopf - Colobus satanas, ein Affe.