DIE ZEIT: Nach Pflanzenzüchtern und Agrokonzernen bittet Bundeskanzler Gerhard Schröder demnächst auch die Bauern zum Gespräch. Er will der Gentechnik in der Landwirtschaft zum Durchbruch verhelfen. Wann kommt das erste High-Tech-Saatgut auf Deutschlands Äcker?

HELMUT BORN: Bis zur flächendeckenden Verbreitung wird es sicher noch viele Jahre dauern. Bisher war die Sache ja alles andere als erfolgreich. Unternehmen wie Monsanto oder Aventis, die in grüne Gentechnik investiert haben, sind in arge Schwierigkeiten geraten. Viele Verbraucher sind skeptisch. Und Demonstranten besetzen und verwüsten Versuchsfelder. Das erschwert natürlich die Forschung. Nach meinem Eindruck ist es genau das, was Gerhard Schröder umtreibt: Er will nicht zusehen müssen, wie die Forschung woandershin abwandert. Ob später einmal auf den Markt kommt, was jetzt in den Laboren entsteht, ist eine ganz andere Frage. Produkte gegen die Verbraucher in den Markt zu drücken wird auch nicht mit Unterstützung des Bundeskanzlers gelingen.

ZEIT: Lässt Ihre Gelassenheit darauf schließen, dass hiesige Bauern keine Nachteile im Wettbewerb zu fürchten hätten, wenn es in Deutschland mit der Gentechnik nicht klappt?

BORN: Kurzfristig gibt es überhaupt keinen Anlass zur Sorge. Wenn wir uns über Wettbewerb im Ackerbau unterhalten, brauchen wir uns nicht zu verstecken. Da sind wir wirklich viel gelassener als einige Saatzüchter, die den Eindruck vermitteln, als ginge ohne Gentechnik die Welt unter. So ist das aber nicht. Ein deutscher Bauer erntet pro Hektar dreimal so viel Weizen wie sein Kollege in den Great Plains in Amerika. In der konventionellen Züchtung könnten also die Amerikaner noch eine ganze Menge von uns lernen.

ZEIT: Also ist die Gentechnik in Europa überflüssig?

BORN: Kurzfristig ja, langfristig wohl nicht. Wir müssen schon aufpassen, dass wir uns nicht in eine Ecke manövrieren, in der wir später nicht mehr mitkriegen, was die Technik so an Vorteilen bietet - auch für Verbraucher und Umwelt.

ZEIT: Woran denken Sie?