Die Abkürzung steht für Bovine Spongiförme Encephalopathie - eine bei Rindern vorkommende, schwammartige Erkrankung des Gehirns. Man spricht auch von "Rinderwahnsinn" oder "mad cow disease". Die erkrankten Tiere fallen zunächst durch unerklärlichen Gewichtsverlust und verkrümmte Haltung auf. Dann entwickeln sie Koordinationsstörungen und Kopfzuckungen.

Wodurch entsteht Rinderwahnsinn?

Ausgelöst wird die Rinderseuche durch krankhaft veränderte Prionen. Das sind wenige tausendstel Millimeter große Eiweißpartikel, die im Gehirn von Säugetieren vorkommen. Dieses Eiweiß kann seine dreidimensionale Form krankhaft verändern. Das geknickte Eiweißmolekül bringt benachbarte, gesunde Prionen dazu, sich ebenfalls zu verbiegen. Es entstehen Prionenklumpen, sogenannte Plaques, die sich in den Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark anlagern. Die Zellen gehen zugrunde. Das Gehirn wird aufgeweicht und löchrig - wie ein Schwamm.

Was weiß man noch über Prionen?

Warum Prionen entarteten, ist bislang unbekannt. Möglicherweise ist eine spontane Mutation im Gehirn eines britischen Rindes schuld. Oder BSE schlummerte schon lange in den Herden, kam aber nur ganz sporadisch zum Ausbruch. Auch Umwelteinflüsse, vermehrte Belastungen mit Pestiziden oder Schwermetallen (u.a. Mangan) und schleichende Virusinfektionen ("slow virus infection") werden diskutiert. Ursprünglich glaubte man, BSE sei durch Verfütterung von Schafkadavern, die mit der für den Menschen ungefährlichen Schafseuche Srapie infiziert waren, auf Rinder übergesprungen. Diese These ist aber spätestens seit Mitte der 90-er Jahre widerlegt. Damals verglichen Veterinäre des britischen Agrarministeriums 30 verschiedene Scrapie-Stämme mit dem einzigen BSE-Stamm - mit dem Ergebnis, dass zwischen Scrapie und dem Rinderwahn keine Ähnlichkeit besteht. Dafür stellten Molekularbiologen der Universität Zürich fest, dass die Molekülstruktur des Rinderprions fast identisch zu menschlichen Priontypen ist - weshalb der Rinderwahn leicht die Artenbarriere überwinden kann.

Pathologisch veränderte Prionen sind ausgeprochen resistent - um sie zu knacken, muss das damit befallene Material 20 Minuten bei 133 Grad Celsius und einem Druck von 3 Bar behandelt werden. Zu Forschungszwecken wurden infizierte Versuchstiere 15 Minuten lang sogar auf 600 Grad Celsius erhitzt. Auch danach fanden sich intakte BSE-Prionen.

Wie kam es zur Epidemie von Rinderwahnsinn?