Wann immer Not am Computer war, wurde Torsten Beck gerufen. Während seiner Ausbildung zum Industriekaufmann hat der junge Mann so einige Rechner wieder zum Laufen gebracht. Viel lieber wäre er Programmierer geworden, als eine kaufmännische Lehre zu machen. Doch noch vor ein paar Jahren war dazu ein Studium nötig. Dann kam der IT-Boom, der 25-Jährige nahm an einem Umschulungsprogramm teil. In der Fachpresse las er von einer Stelle als Product Consultant bei SAS: "Ich wusste, das ist der Job für mich." Er machte zunächst ein unbezahltes Praktikum. Das ging nahtlos über in eine Festanstellung bei der Softwarefirma.

Praktika haben sich zu einem wichtigen Sprungbrett ins Berufsleben entwickelt. Für Unternehmen sind sie das wichtigste Auswahlkriterium auf der ersten Selektionsstufe bei der Einstellung jungen Führungsnachwuchses. Das ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln unter 117 Großunternehmen. Die Studenten reagieren entsprechend, wie die jüngste Spiegel- Absolventenstudie zeigte. Jeder zweite Geisteswissenschaftler hat danach während des Studiums mindestens ein Praktikum gemacht. Die Uniabsolventen mit der meisten Praxiserfahrung sind die Psychologen. Sie gaben zu 85 Prozent an, schon ins Berufsleben hineingeschnuppert zu haben. Das Schlusslicht bilden die Absolventen eines Physik- oder Mathematikstudiums: Nicht einmal 20 Prozent können am Ende des Studiums ein Praktikum vorweisen.

Praktika gewinnen an Bedeutung, weil sie für beide Seiten Vorteile bringen: Der Student lernt den Arbeitsalltag und einen Betrieb von innen kennen, was manche auch dazu nutzen, ihre Fächerkombination oder Studienausrichtung noch einmal mit Blick auf den Beruf zu überprüfen. Arbeitgeber können sich unverbindlich ein Bild von dem Mitarbeiter auf Probe machen und frühzeitig Talente rauspicken.

Oft bleibt es aber nicht bei einem Praktikum während des Studiums. In manchen Berufen, beispielsweise in den Medien oder der Werbebranche, ist es inzwischen üblich, dass Hochschulabsolventen in einer Übergangsphase mehrere Praktika durchlaufen, bevor sie einen Job finden.

Dabei ist das, was unter der Bezeichnung Praktikum läuft, sehr unterschiedlich: Die Hospitanten bleiben von einer Woche bis zu einem Jahr im Betrieb. Die Mehrzahl muss sich mit eher symbolischen Gehältern begnügen. Angebote mit sechsstelligen Jahreseinkommen, mit denen bisweilen Elektrotechnik- oder Informatikstudenten geködert werden, sind seltene Ausnahmen.

Die Aufgaben sollten im Vorfeld geklärt werden