In der Enzyklika Quadragesimo Anno aus dem Jahr 1931 hatte die Kirche versucht, angesichts von Kapitalismus und Sozialismus ein Prinzip zu formulieren, das dem bedürftigen Individuum Unterstützung garantieren sollte, ohne den Einzelnen jedoch einem verabsolutierten Staat auszuliefern. Die größere Gemeinschaft solle erst dann subsidiär einspringen, wenn die je kleinere - angefangen mit Familie, Verein und Kirche - ihre Aufgabe nicht mehr bewältigen könne. Der Staat käme dann erst als letzter Akteur zum Zuge.

Dem radikalen theokonservativen Programm Olaskys und seiner Anhänger geht es jedoch nicht so sehr darum, die Würde des Einzelnen vor staatlichen Übergriffen zu schützen, wie es die Kirche seinerzeit vor allem mit Blick auf den sowjetischen Totalitarismus im Sinn hatte. Umgekehrt soll nun gerade der Staat durch ein Rollback der entitlement revolution vor den einstweilen noch verbrieften Ansprüchen der Individuen bewahrt werden. Und wenn diese anspruchsvollen Rechtssubjekte dann bei ihren frommen Rettern noch ein wenig Demut lernen - umso besser, auch wenn es dem First Amendment widerspricht, das die Trennung von Staat und Kirche verlangt.

Noch ist unklar, wie viel von diesem Programm in einer Bush-Regierung übrig bleiben kann, nachdem die Legitimität des neuen amerikanischen Präsidenten durch den Kampf der Gerichte um die Interpretation der Wahl erschüttert worden ist. Unwahrscheinlich, dass ein grundlegender Umbau der intermediären Strukturen zwischen Staat und Individuum jetzt noch ganz oben auf der Tagesordnung steht.

Es spricht aber einiges dafür, dass Michael Novak, ein weiterer Bush-Berater, Recht hatte, als er in einem Moment der Begeisterung über das neue Schlagwort seines Kandidaten schrieb: "Die politische Partei, der es am besten gelingt, die intermediären Strukturen zum Polarstern einer neuen überparteilichen Agenda zu machen, wird die praktische Politik für die nächsten fünfzig Jahre bestimmen."