Am nächsten Morgen um acht Uhr saßen wir bereits wieder im Bus, einigermaßen erschöpft. Nur einer nicht, Gerhard Eichelmann. Der packte ein paar Flaschen aus, zückte sein Verkostungsglas, probierte und machte sich Notizen.

Ein Kämpfer. Er gibt den monatlichen Wein-Newsletter "Mondo - Weine der Welt" heraus (Jahresabo 138,- Mark), der aus nichts anderem als Eichelmanns Probenotizen besteht. Er ist ein geschmackssicherer, hammerharter Tester. Soeben erschien sein kompakter Weinführer "Deutschland 2001", Taschenformat, 34,80 Mark. Eine enzyklopädische, sorgfältige Übersicht mit beeindruckender Verkostungsliste (Bezug: Mondo, Bachstraße 27, 69121 Heidelberg).

Vergeblich suchte ich in dem Buch allerdings das rheinhessische Weingut Dautermann aus Gau-Weinheim (es ist offenbar nicht identisch mit seinem Namensvetter in Ingelheim). Dieses bietet Weine aus vier neugezüchteten, schädlingsresistenten Weißweintrauben an, die zumindest bislang nicht gegen Pilzerkrankungen gespritzt werden mussten. Sie heißen Prinzipal, Saphira, Hibernal und Phoenix. In den Flaschen befinden sich nette, teils fruchtige Weine. Nicht unbedingt harmonische zwar, wohl aber als Erfrischung an einem heißen Sommertag passable Getränke. Doch dass sie an Rieslinge erinnern, wie es der Hersteller will, kann ich nicht finden, obwohl Riesling eingekreuzt wurde. Ende der Abschweifung.

Der andere Kämpfer heißt Mario Scheuermann, dessen "Wein-Kompass" soeben für 69,90 Mark im Falken-Verlag erschienen ist. Hier finden Sie die Portraits der etwa 500 besten Weine der Welt. Scheuermann ist eine Autorität und berechtigt wie kaum ein zweiter, diese Auswahl zu treffen. Dieser Mann ist ein Phänomen: Er veranstaltet Weinmessen und Proben und Gelage und schreibt Artikel und Bücher und betreibt die Website www.degustation.de und kocht und ist ein rundum gelungener Zeitgenosse. Genug des Lobs.

Wenn Sie Weinbücher verschenken wollen: Dies sind zwei Kandidaten.

Besinnliche Tage wünscht Ihnen

Ihr Gero von Randow