Paradoxer könnte es nicht zugehen. Das Handygeschäft wächst so rasant, dass alle Prognosen nur noch Makulatur sind. Bei den Mobilfunkanbietern, so möchte man meinen, klingeln die Kassen wie nie zuvor. Weit gefehlt. Die Margen sinken. Denn die neue Kundschaft wird teuer erkauft, zu teuer, glauben manche.

Trotzdem purzeln die Preise. Denn alle wissen: Der jahrelange Kampf um neue Kunden geht in die letzte Runde. Und ist der Markt erst einmal aufgeteilt, wird der Wettbewerb noch brutaler.

Das Jahr 2000 brach alle Rekorde. Läuft das Weihnachtsgeschäft so wie vermutet, wird es hierzulande rund 48 Millionen Handybesitzer geben; 24 Millionen mehr als zu Jahresbeginn. Jeder Zweite telefoniert dann mobil. Stattliche 42 Milliarden Mark gaben die Deutschen in diesem Jahr für die moderne Kommunikation aus, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Die Kunden werden immer jünger. Der Hit heißt SMS, jene Kurznachrichten, von denen inzwischen schon fast zwei Millionen pro Monat verschickt werden. Mit dem Siegeszug hatte niemand gerechnet. Eine ganze Generation zwischen 14 und 29 Jahren scheint dem neuen Kult verfallen. Wap hingegen, eine Technik, die das Schmalspur-Surfen via Handy möglich macht, fand bisher noch keine große Fangemeinde.

Der Boom hat einen anderen Grund. Ausgelöst wurde er durch die so genannten Prepaid-Karten. Ihr Vorteil: Sie ermöglichen eine Kostenkontrolle. Böse Überraschungen kann es nur noch bei den SMS-Gebühren geben, wenn sie - wie bislang üblich - mit Verzögerung abgerechnet werden. Vor allem aber entfällt die monatliche Grundgebühr. Und niemand ist mehr gezwungen, einen langfristigen Vertrag abzuschließen. Dafür sind die Gespräche teurer. Aber immerhin: Ist das Guthaben auf der vorausbezahlten Karte erschöpft, bleibt das Handy noch eine Zeit lang erreichbar, auch wenn die elektronische Geldbörse nicht mehr aufgefüllt wird. Das überzeugte selbst Handymuffel.

Lange Zeit hatten D1 (T-Mobil) und D2 (Mannesmann), beide zusammen dominieren 80 Prozent des Marktes, fast ausschließlich auf das einträgliche Geschäft mit Vertragskunden gesetzt. Auch die ködern sie auf ganz besondere Weise. Die Mobilfunkunternehmen zahlen den Händlern eine Provision für jeden neuen Kunden. Die nutzen die stattlichen Kopfprämien wiederum, um den Preis der Handys zu drücken, die manchmal sogar kostenlos über die Ladentheke gehen.

Der Trick dabei: Während der langen Vertragslaufzeit, in der Regel zwei Jahre, zahlen die Handybesitzer über wohl kalkulierte Grund- und Gesprächsgebühren schließlich doch den wahren Preis der Geräte - sie kaufen das Handy praktisch auf Raten. Im Grunde finanzieren sie auf diese Weise die hohen Aquisitionskosten selbst. Das funktionierte über viele Jahre. Die Gewinne sprudelten.