Das juristischen Gezerre um diese Zulassung hat es ebenso auf die Titelseiten geschafft, wie die bekannte BSE Hysterie.

Auf den Titelseiten

"Bayern verstärkt BSE-Forschung" titelt die "Süddeutsche Zeitung" und bleibt heute nicht die einzige Zeitung, die sich damit beschäftigt. Die "Welt" nimmt den BSE-Rüffel aus Brüssel zum Anlass, Kritik an der Regierung zu üben, während das "Handelsblatt" seine Leser mit der Ankündigung erfreut, am Dax notierte Konzerne würden dieses Jahr, trotz Salami-Crash an den Börsen, hohe Erfolgsprämien an alle Mitarbeiter zahlen.

"Türkische Polizei beendet Todesfasten mit Gewalt" schreibt die "Taz" über das harte Vorgehen der türkischen Sonderpolizei gegen hungerstreikende Häftlinge. Beide Frankfurter Zeitungen freuen sich jeweils auf ihre Weise, dass es der Regierung gelungen sei, sich endlich über eine Rentenreform zu einigen. "Rot-Grün billigt Rentenreform", schreibt die "Rundschau" eher neutral. "Die Koalition billigt die jüngste Rentenreform. Unmut in der SPD über Riester", titelt die "Allgemeine". Kleiner Seitenhieb: "Für die Anerkennung als Kirche gilt: Das Verhalten zählt, nicht die Lehre", schreibt der "Tagesspiegel" auf Seite Eins.

Auch auf die erste Seite und in die Kommentare hat es die Aussage des Bundespräsidenten Rau geschafft, einige Medien mögen sich bei der Stadt Sebnitz entschuldigen, welche im November Ziel einer von der "Bild"-Zeitung ausgehenden Kampagne war. Angeblich hätten, so die "Bild" damals, Rechtsradikale einen kleinen Türken ertränkt, und die Behörden hätten nebst 200 Badegästen eines Schwimmbades weg geschaut. "Nazi-Kaff" war noch eine der harmlosen Bezeichnungen, die damals durch einige Gazetten waberte. Doch die erneuten Ermittlungen, die auch durch das Bundesinnenministerium überprüft wurden, brachten keine Beweise für eine rechtsradikale Tat. Die "Frankfurter Rundschau" gibt sich zerknirscht: "Wer darf sich angesprochen fühlen? Nur die "Bild"-Zeitung, die einen Verdacht zur Tatsache machte und auf "die ganze Stadt" ausdehnte? Oder auch die ‚FR', die keine falschen Tatsachen behauptet, sich aber einen Verdacht zu Eigen gemacht hat, der sich anschließend als offenbar unzutreffend erwies?" Dem "Tagesspiegel" sind die pastoralen Worte Raus noch zu dünn und zu harmlos: "Das ist zu wenig, weil einige Medien so grob ihre Pflicht verletzt haben, dass eine Entschuldigung zu leicht und zu billig wäre." Es ist in der Tat schon erstaunlich, wie leicht sich die Leserbriefspalten der Boulevardblätter füllen lassen, wenn man nur einmal die Assoziationskette "Ausländer - Tot - Osten - Nazis" aufruft. Bleibt die Frage, wie weit derartiges Denken letztendlich schon in vielen westdeutschen Köpfen verankert ist. Sehr tief, meint die "Frankfurter Allgemeine", die hart mit dem Bundespräsidenten ins Gericht geht und ihm vorwirft, durch "Handauflegen" eine "innere Wirrnis" ungeschehen machen zu wollen, "in die die Stadt gestürzt worden ist." Die "FAZ" schließt mit einer schlimmen Vermutung: "Der politische Tatort-Tourismus ist nämlich in Mode gekommen, weil die Politiker sich des Landes, für das sie arbeiten, nicht mehr gewiß, nicht mehr sicher zu sein scheinen." Auch die "Bild"-Zeitung, die den Schlamassel angefangen hatte, berichtet: "Es sei jetzt Aufgabe der Medien, wieder für einen unbelasteten Ruf der Stadt zu sorgen." Das Wort 'Entschuldigung' wäre ja mal ein Anfang gewesen.

Urteil des BVG zu den Zeugen Jehovas

Wer klingelt? Während es heute finstere Gestalten sein können, konnte man früher sicher sein, dass es entweder der GEZ-Mann war - da hat man als Student nicht aufgemacht -, oder es waren zwei ältere Damen mit Zeitungen in der Hand. Da hat man nur dann aufgemacht, wenn noch unangenehmerer Besuch in der kargen Stube saß, oder eine lästige Beziehungsdiskussion nicht enden wollte. Doch die Zeugen Jehovas bestehen nicht nur aus älteren Damen, die von Haustür zu Haustür ziehen, sondern sie verfügen nach eigenen Angaben in Deutschland über rund 200.000, auch jüngere Mitglieder, die die Gemeinschaft offensichtlich nicht nur aus einem 'Monty Python' Film kennen. Doch wie geht man mit einer religiösen Bewegung um, die ihren Mitgliedern verbietet zu wählen, weil sie den Staat als "Werkzeug des Satans" bezeichnet, und auch verbietet, eine Bluttransfusion anzunehmen? Erst einmal gar nicht, meinen die Richter des Bundesverfassungsgerichtes, vor dem die Glaubensgemeinschaft auf Zulassung als Körperschaft geklagt hatte. Die "Süddeutsche" begrüßt das Urteil, das dem Wunsch der Zeugen Jehovas nicht entspricht, dennoch ein paar Dinge gerade rückt: "Es ist auch die Trennung von Staat und Kirchen klarer geworden; der Staat ist kein Religionsaufseher, der ihm angenehme Glaubenslehren belohnt und andere bestraft." Das Urteil macht aber nicht nur den Weg frei für wie auch immer religiös ausgerichtete Sekten, sondern für die vielen moslemischen Glaubensgemeinschaften, die in Deutschland existieren. Davon sind vielleicht nicht alle mit der Auffassung von Politik und Staat in Deutschland einverstanden. Doch gerade der Staat hat ja nun auch die Aufgabe, seine Schäfchen zu schützen, und, wie die "Frankfurter Rundschau" meint, müssen doch "die Religionsfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat und fundamentale Verfassungsprinzipien von den Religionsgemeinschaften respektiert werden." So ist also keinesfalls zu befürchten, dass Organisationen wie Scientology, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, plötzlich unter körperschaftlichen Schutz stehen, denn die Menschenwürde und die körperliche Unversehrtheit stehen im Vordergrund, so die "Süddeutsche Zeitung". Doch wie die Zeugen Jehovas nun zu bewerten sind, das hat das Gericht nicht verraten, sondern die Beantwortung der Frage an ein Verwaltungsgericht weiter gewiesen. Die "Welt", die nicht gerade im Verdacht steht, religiöse Abartigkeiten zu verbreiten, bemüht sich, keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, um was für eine Form der religiösen Vereinigung es sich da handelt. So berichtet sie aus einer Zentrale der Zeugen Jehovas, irgendwo in einem kleinem Dorf im Taunus. Angesprochen auf das Verhalten als Nichtwähler meint ein Anhänger: "Stellen Sie sich vor, ich hätte bei der letzten Bundestagswahl die SPD gewählt: Dann hätte ich den Krieg im Kosovo unterstützt und jetzt die Homo-Ehe!"