Lange Zeit waren die Deutschen bei der Geldanlage äußerst konservativ. In den fünfziger und sechziger Jahren dominierte das Sparbuch. Als in den Siebzigern die Inflationsraten stiegen, entdeckten die Deutschen Anleihen als lukrativere Geldanlage. Der Staat nutzte die Bereitschaft der Bürger, ihm gegen angemessenen Zins Geld anzuvertrauen, zur Aufnahme hoher Schulden. Und mit den Schulden stieg die Steuerlast.

Damit begann eine gigantische Umverteilung: Die Bürger mussten hohe Steuern zahlen, damit der Fiskus die geschuldeten Zinsen für das steigende Volumen der Staatsanleihen zahlen konnte.

Und dann folgte noch ein Trick. Damit Unternehmer und andere gut verdienende, aber von hohen Steuern geplagte Bürger ihr Geld nicht ins steuerlich günstigere Ausland transferierten, erdachten findige Juristen Steuersparmodelle.

Sie funktionieren im Prinzip so: Der Steuerzahler investiert einen geringen Betrag aus eigener Tasche in eine Eigentumswohnung (Bauherrenmodell), ein Shopping-Center, Schiff oder Flugzeug. Der Rest wird fremdfinanziert. Der Anbieter baut und vermarktet das Investitionsobjekt. Hohe Anlaufkosten führen in den ersten Jahren zu hohen Verlusten, die die Investoren in ihren persönlichen Steuererklärungen einkommensmindernd geltend machen können. In vielen Fällen machte die Steuerersparnis in den ersten Jahren mehr aus, als der einzelne Investor je aus eigener Tasche einbezahlt hatte. Damit hatte er schnell seinen Einsatz wieder zurück und war zudem noch an einem Objekt beteiligt, das vielleicht früher oder später Gewinn abwerfen würde.

Als so genial wurden die Konstruktionen angesehen, dass in den achtziger und neunziger Jahren Milliarden und Abermilliarden in Steuersparmodelle flossen. Das Instrument Steuersparmodell entwickelte sich damit zu einer weiteren Umverteilungsmaschinerie: Während Durchschnittsverdiener unter steigenden Steuerlasten (zum Beispiel dem Solidarzuschlag) ächzten, zahlte mancher Besserverdienende, der Jahr für Jahr in neue Steuersparobjekte investierte, bald überhaupt keine Einkommensteuern mehr. Wen interessierte da noch, ob das Investitionsobjekt je Gewinn abwerfen würde? Man investierte ja schließlich um der Steuervorteile willen, nicht, um Gewinn zu erzielen. Der wäre nur wieder mit neuen Steuern belastet worden.

Als Erste forderten Nationalökonomen, dem Spuk ein Ende zu setzen. Weit davon entfernt, sich um die in den Sand gesetzten Vermögen der Investoren zu sorgen, beklagten sie die massive Fehlallokation von Ressourcen. Ihre Kritik: Während nach herkömmlichen Theorien das Kapital dort hinfließt, wo es am meisten benötigt wird und deshalb die höchsten Gewinne abwirft, lenken die steuerlichen Vorschriften, die die Steuersparmodelle erst ermöglichen, Kapital in Anlageobjekte um, die niemand braucht. Insofern entziehen die Steuersparmodelle der Wirtschaft Geld, das diese zu ihrer Weiterentwickelung an anderer Stelle dringend benötigt. Der Kritik schlossen sich Anlegerschützer an, die immer häufiger von Investoren um Hilfe und Beistand gebeten wurden, die zusätzlich zu rein steuerlichen plötzlich auch echte wirtschaftliche Verluste beklagten.

Anfang 1999 hat die Regierungskoalition reagiert. Mit dem neu formulierten Paragrafen 2 b des Einkommensteuergesetzes sind künftig Steuersparmodelle nicht mehr zulässig, wenn der steuerliche Vorteil dabei die Hauptsache ist. Genauer gesagt: Wenn die steuerlichen Verluste aus solchen Investitionsobjekten zu hoch sind, können die Anleger diese künftig nicht mehr mit anderen steuerpflichtigen Einkünften steuermindernd verrechnen. Vielmehr bleiben sie auf ihnen sitzen.