Zunächst einmal: Den Christbaum in irgendeine Flüssigkeit zu stellen ergibt nur dann einen Sinn, wenn er gerade frisch geschlagen ist. Hat er schon eine Weile auf dem Weihnachtsmarkt zugebracht, dringt Luft in die feinen Kanäle des Baums ein, und er kann nichts mehr aufsaugen. Er trocknet aus, Fichten übrigens schneller als Tannen.

Nach dem Glyzerin befragt, zuckten sämtliche Forstbiologen mit den Schultern und hielten die Sache für eine Legende. Aber dann ist da noch Gottfried Stelzer, der im SWR-Radio Gartentipps gibt und seinen Hörern auch zum Glyzerin rät. Seine Erklärung: Das Glyzerin hat eine harzlösende Wirkung und hält die Kanäle des Baums frei. Allerdings gibt Stelzer zu, dass er das Rezept von seinen schlesischen Großeltern hat und eine wissenschaftliche Überprüfung aussteht. Also machen wir nun den Test: Die ZEIT hat zwei Bäumchen aufgestellt, der eine steht in Wasser, der andere in Wasser und Glyzerin. Das Ergebnis gibt es im neuen Jahr an dieser Stelle.

Die Auflösung stand dann in der ZEIT Nr. 3/01:

Nachtrag zum Thema Christbäume: In der Weihnachtsausgabe der ZEIT ging es um die Frage, ob der Baum länger hält, wenn er in eine Mischung aus Wasser und Glyzerin gestellt wird. Das Ergebnis des (völlig unrepräsentativen) ZEIT- Experiments liegt nun vor: Zwei Bäumchen, am selben Tag geschlagen, haben drei Wochen nebeneinander gestanden. Der eine in Wasser, der andere in einer Mischung, die zu gleichen Teilen Wasser und Glyzerin enthält. Das Ergebnis ist eindeutig: Nach genau drei Wochen war das Glyzerin-Bäumchen so vertrocknet, dass man es durch bloßes Schütteln von fast allen Restnadeln befreien konnte. Der andere Tannenbaum trug dagegen noch ein üppiges Nadelkleid von frischer grüner Farbe. Fazit: Das Glyzerin nützt überhaupt nichts. Christoph Drösser

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