Ich hatte wirklich eine Schneekindheit. Das erste Mal, an das ich mich erinnere, war mitten im Krieg. Ich war vier Jahre alt. Mein Vater arbeitete beim Wild- und Vogelschutz, wir lebten damals auf dem Obersalzberg. Dieser März 1944 war, wie die Markierung der Holzstube an der Schwarzbachwacht bis heute belegt, der schneereichste März, der je gemessen wurde. Wir haben buchstäblich in sich auftürmenden Schneemauern gelebt. Riesenhaft, nicht nur aus der Perspektive eines kleinen Kindes. Weiß, wohin man schaute, alles war weiß. Das Bild hat sich mir tief eingeprägt.

1945 fielen die Bomben, sie zielten auf Hitlers Festung und trafen auch die Häuser in unserer Streusiedlung, also kehrten wir zurück auf den Hof meines Vaters in Ramsau bei Berchtesgaden. Dort folgte dem schneereichsten Winter einer der kältesten des Jahrhunderts. Es war wirklich saukalt, minus 30 Grad unten im Tal und bei uns, auf der Sonnenseite, immer noch minus 20. Wir Erstklässler bekamen drei Wochen lang schulfrei, mit der schönen Begründung: »wegen Winters«. Wunderbar! Es war einfach zu kalt, um den Klassenraum zu heizen. Gegen solchen Frost kam man nicht an.

Ich sehe wieder vor mir, wie die Bauern ihre Rösser vor einen riesigen Spitzpflug spannen, um die Queralpenstraße vom Neuschnee zu befreien. Wir Jungs dürfen mitfahren! Wir sitzen hinten auf, als Gewichte, damit der Pflug auch gut schwer wird und einen Weg durch die glitzernden Schneemengen bahnen kann. Großes Abenteuer, es lässt uns sogar die beißende Kälte vergessen. Tagelang bauen wir ganze Burgen und legen Labyrinthe an, durch die man kriechend sich vor den anderen verstecken kann.

Gelegentlich ist bei solchen Aktionen wohl mal einer verschüttet worden; das wurde uns dann schon unheimlich. Aber wir haben es immer geschafft, ihn schnell wieder auszugraben. Am meisten liebten wir Kinder natürlich den Pappschnee, wenn es so um null Grad Celsius war. Der war am besten formbar und blieb besonders lange fest. Außerdem hatten wir natürlich beobachtet, dass bei dieser Temperatur wesentlich mehr als sonst von oben runterkam.

Auch damals war Weihnachten nicht immer im Puderzucker. Aber dann war der Winter höchstens verschoben - gekommen ist er immer. Wenn sie vom Himmel fielen, die ersten Flocken, meist im November, dann sagte mein Onkel:

»Iatz schneibts zua.«