Mit dem Zug fährt man bis Singen oder Tuttlingen. Von da muss ich mich abholen lassen, wir sind ja 30 Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt. Oder ich fahre mit dem Auto. Von Freiburg, durchs Höllental, wo man mir letztes Jahr den Führerschein entzogen hat, weil ich 170 gefahren bin, wo man nur 100 fahren darf. Das war allerdings auf dem Rückweg.

Wer erwartet Sie in Rast?

Meine Eltern leben dort, meine Schwestern sind da und meine Nichte, die gerade erst lernt, Alemannisch zu sprechen. Sie ist in Berlin aufgewachsen.

Sie haben den Hof Ihrer Familie mit 20 verlassen und sind jahrelang als Student dorthin zurückgekehrt. Jetzt kommen Sie als Schriftsteller und sind außerdem noch berühmt. Was ist schwieriger?

Ist man als Schriftsteller heutzutage überhaupt berühmt? Wenn man in ein so kleines Dorf zurückkommt, ist man allemal ein Exot. Wenn man nur als Student kommt, dann ist das eine Form von Exotik, mit der jeder etwas anfangen kann. Wenn man als Schriftsteller kommt, dann ist man ja gar nicht mehr zu fassen. Es fällt mir heute noch schwer - und das ist keine Koketterie - zu sagen, ich bin Schriftsteller. Vom Bauernhof her habe ich immer noch die Vorstellung, dass Arbeiten bedeutet, dass man aufs Feld geht, in den Stall oder in den Wald. Dass man beim Arbeiten etwas in der Hand haben muss. Schriftsteller klingt so irreal und pompös und antiquiert.

Was sagen Sie denen also?

Ich werde ja gar nicht gefragt. Ich muss auch gar nichts sagen, ich komme mit meinem A6 2,5 TDI, und das ist in dieser Umgebung ein Zeichen, dass ich saniert bin.