DONNERSTAG: Heute ist noch ein ganz normaler Tag. Um fünf Uhr stehe ich auf und mache mich für meinen Zivildienst im Altenheim fertig. Kurz nach sechs steige ich in meine Bahn und bin eine Dreiviertelstunde später im Seniorenheim an Sankt Georg: die Bewohner begleiten, Getränke verteilen, Essenwagen hin- und herschieben, an der Rezeption sitzen, Rollstühle reparieren, Glühbirnen auswechseln ... Der ganze Stress lässt noch keine weihnachtliche Stimmung aufkommen. Der einzige Hinweis auf das Fest ist die Dekoration, die überall im Haus hängt. Um halb vier hab ich es endlich geschafft: Feierabend!

FREITAG: Nach der Arbeit haste ich in den Dom. Heute ist die wöchentliche Messdienerstunde. Der Diakon Raimund Witte, der stellvertretende Sprecher der Messdiener Holger Böhne und ich setzen uns kurz zusammen und besprechen das Programm. Über die Weihnachtstage gibt es insgesamt 21 Gottesdienste, und die müssen besonders gut laufen. Bei jedem sind rund 15 Messdiener dabei, manchmal auch mehr. Gerade Weihnachten wirken oft einige ältere mit, die wegen ihres Studiums länger nicht dabei waren. Der genaue Ablauf wird noch mal geprobt. Zusammen mit allen Messdienern besprechen wir, wer wann was machen muss. Anschließend simulieren wir eine Messe im Dom. Hoffentlich sind jetzt alle Unklarheiten beseitigt.

SAMSTAG: Ich schlafe lange aus und lasse den Rest des Tages einfach auf mich zukommen. Abends gehe ich mit ein paar Freunden in die Disco.

SONNTAG: Es ist so weit. Heiligabend ist in greifbare Nähe gerückt. Um zehn Uhr morgens ist noch ein Pontifikalamt, der Blick jedoch ist schon auf die Christmette mit Kardinal Meisner um Mitternacht gerichtet. Anderthalb Stunden vorher sind schon alle Messdiener in der Sakristei versammelt. Die Frage Was hast du zu Weihnachten bekommen? ist natürlich auch bei uns Thema Nummer eins.

Ich habe eine letzte Besprechung mit dem Diakon und dem Zeremoniar. Dann verteile ich die Dienste: Jeweils zwei Messdiener kümmern sich um Kreuz, Weihrauch, Akolythen, Buch, Stab, Mitra und Weihwasser.

Genau eine Stunde vor der Messe wird der Dom für die Besucher geöffnet. Viele stehen schon seit einigen Stunden vor dem Hauptportal und erwarten den Gottesdienst mit Sehnsucht. Kaum sind die Portale geöffnet, stürmen sie in den Dom. Sie schubsen, schieben und rennen, in der Hoffnung, noch einen der 1500 Sitzplätze zu bekommen. Vom Chorraum aus haben wir einen guten Ausblick auf das Gedränge.

Die Messe wird zelebriert von Kardinal Meisner. Chor, Messdiener und etwa 3000 Gottesdienstteilnehmer geben der Messe einen besonders feierlichen Rahmen. Wir werden uns auf unsere Einsätze konzentrieren und vor allem auf das Ende der Predigt achten. Der Kardinal müsste wohl improvisieren, wenn wir nicht rechtzeitig die Mappe mit dem Anfangsgesang vom Credo und der Intonation vom Gloria bereithielten. Aber wir genießen die Messe auch.