Anakreontik. Klingt dem Ohre heute etwas krustig. Schlägt man im Lexikon nach, wird man zwischen Anakonda und anal wie folgt belehrt: Anakreon, gest.

nach 495 v. Chr., griech. Dichter der Liebe und des Weins

Anakreontiker, deutsche Dichtergruppe (Gleim, Uz), die seit etwa 1738 nach dem Muster der Anakreonten Wein und Liebe besang.

Man kann natürlich auch den nächsten Dudelsender anschalten, wo die gute Laune grausam wütet, wo Stunde um Stunde die Heroinen des Pop, die Heroen des Schlagers Liebe und Wein (wahlweise auch Bier) belallen und begurgeln: Anakreontik pur. Nur dass die anbelallten und -begurgelten Mary Anns, Manuelas und Anitas von 17hundertundetwas Phyllis und Dorinde hießen, und eine gute Schunkelhymne, Ein bisschen Spaß muss sein, damals mehr so klang: "Ewig muß ich also leben. / Ewig! denn beym Gott der Reben! / Ewig soll mich Lieb und Wein, / Ewig Wein und Lieb erfreun!"

Wurde übrigens später tatsächlich ein veritables Schluck- und Gröllied draus.

Und ist - und ist tatsächlich von Lessing, von Gotthold Ephraim L. aus Kamenz in Sachsen, bekannt aus Schule, Funk und Fernsehen durch seine Dramen (Nathan der Weise) und Essays (Die Erziehung des Menschengeschlechts). Als Jünglingchen von 19, 20, als Student in Leipzig, hat er solche Lieder getextet, Die Küsse, Phyllis lobt den Wein, Das Schäferleben und so weiter.

Taten viele damals, Hagedorn in Hamburg gab das Vorbild ab, und mancher machte sich schon lustig über diese Wein-&-Weib-Gesangsfabrikation, wie zum Beispiel 1751 Abraham Gotthelf Kästner: "Und wieder Wein und Mägdchen, / Und wieder Kuß und Trinken, / Und lauter Wein und Mägdchen / Und lauter Kuß und Trinken, / Und nichts als Wein und Mägdchen / Und nichts als Kuß und Trinken, / Und immer so gekindert, / Will ich halbschlafend schreiben, / Das heißen unsre Zeiten / Anakreontisch dichten."