Berlin

So unerschütterlich wie im Sommer steht die Regierung nicht mehr da. Schon der Ärger mit dem Benzinpreis war ein Warnschuss, so etwas wie die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, die im antiken Rom dem siegreichen Feldherrn beim Triumphzug ins Ohr geraunt wurde. Im Fall Klimmt und jetzt bei der Rente hat der alte Chaosdrache, der Dämon der ersten Koalitionsmonate, aufs Neue sein Haupt erhoben. Von der Entfernungspauschale über das Reformtempo bis zum Umgang mit den Stasi-Akten westdeutscher Notabeln ist der Farbunterschied zwischen Rot und Grün wieder deutlicher geworden. Dass die Leitkultur-Offensive der Union kein reiner Flop war, zeigten die gereizten Reaktionen ebenso wie die schiere Länge und Breite der Debatte. Den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die Ende März stattfinden, können die Berliner Koalitionsparteien keineswegs seelenruhig entgegensehen.

So weit die Nah- und Momentaufnahme. Das Gesamtszenario freilich, aus größerer Distanz betrachtet, das politische Luftbild, bleibt regierungsfreundlich. Das hängt zunächst mit der tief sitzenden, im Auf und Ab der Umfragewerte gar nicht erfassten und durch Augenblickserfolge auch nicht kurierbaren Schwäche der Union zusammen, einer gleichsam metademoskopischen Fundamentalschwäche. Es ist, als ob die CDU seit der Spendenaffäre etwas Anrüchiges hätte

man lässt sich in ihrer Gesellschaft ungern blicken. Das Vertrauensverhältnis, der instinktive Einklang zwischen ihr und dem beweglicheren Teil ihrer angestammten Sympathisantenschaft wirkt gestört

es driftet auseinander, was lange zusammengehörte. Während viele in der Partei und zumal in der Bundestagsfraktion sich Kohls Vertrotztheit zu Eigen gemacht haben, war man im bürgerlichen Milieu von diesem Schauspiel eher unangenehm berührt.

Hier wird Schäuble schmerzlich vermisst, der in der Welt der Handelskammern und Rotarierclubs hohes Ansehen genoss - auch das ein Unterschied zur Stimmung im engeren Unions-Biotop, wo man ihn leichter entbehrt. Unter seinen Nachfolgern ist die Partei einstweilen fragil geblieben, fahrig, manchmal geradezu unseriös. Das neue Faible für Protestkampagnen macht keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Die CDU schwankt zwischen peinlicher Verzagtheit, wie sie der kurzlebige Generalsekretär Polenz zu verkörpern schien, und dem forciert munteren Auf-die-Pauke-Hauen, mit dem es sein Nachfolger Meyer probiert. Von ungeklärten Richtungs- oder Machtfragen und vom spannungsanfälligen Verhältnis der beiden Schwesterparteien war bei alledem noch gar nicht die Rede. Insgesamt keine komfortable Lage.

Der Kanzler ballert die Union in die nationale Muffecke