Das Schönste am Berliner Opernchaos ist, dass nichts von Dauer ist. Alles kann sich auf überraschende Weise immer wieder ändern. Reformpapiere werden erstellt und wieder verworfen, Orchester werden erst mit dem Ruin bedroht und dann mit neuen Subventionen bedacht, Personalentscheidungen werden heute gefällt und morgen bereut, Künstler in die Wüste geschickt und gleich wieder zurückgeholt oder umgekehrt. Vor acht Monaten hat man den Dirigenten Fabio Luisi als zukünftigen Generalmusikdirektor an die Deutsche Oper berufen, seinen fertig ausgehandelten Vertrag dann aber, ohne ihn zu unterschreiben, in der Schublade verstauben lassen. Mit fadenscheinigen Argumenten verfolgte Kultursenator Stölzl eine Hinhaltetaktik, weil er die Zukunft des Opernhauses offenbar doch lieber mit Christian Thielemann, dem Herzbuben aller Opernkonservativen, planen möchte. Luisi fühlt sich zu Recht brüskiert und nennt die Berliner Kulturpolitik, was sie ist - "provinziell, konzeptionslos, ignorant und voll von künstlerverachtender Arroganz". So kommen den Berliner Opern nach und nach auch die allerletzten Planungskonstanten abhanden. Udo Zimmermann, der zukünftige Intendant der Deutschen Oper, muss nach Luisis Rückzug nun Hals über Kopf Ersatzdirigenten für 85 Abende in den nächsten zwei Spielzeiten verpflichten. Und wenn er nicht aufpasst, ist er der nächste Kandidat, der zum Abschuss freigegeben wird. Sein auf die musikalische Moderne und Regietheater aufbauendes Konzept für die Deutsche Oper wurde zwar vor eineinhalb Jahren ganz arg herbeigewünscht. Aber mehr und mehr erscheint Thielemann als der eigentliche Lieblings-Opernzampano der Berliner Kulturpolitik. Aber wer eigentlich in Berlin was warum werden soll, das wissen der konfuse Stölzl und seine Drahtzieher im Senat wahrscheinlich selbst nicht mehr so genau.