Dieses Lächeln irritiert. Egal was der Mann mit dem akkurat gescheitelten Silberhaar zu verkünden hat, stets umspielt ein feines Schmunzeln seinen schmalen Mund. Dabei könnten die Botschaften, die Joachim Milberg seit seiner überraschenden Kür zum BMW-Chef im Februar 1999 zu verkünden hatte, unterschiedlicher nicht sein:

Im Juni 1999 verspricht er in London einen 10-Milliarden-Mark-Kraftakt, um die schwächelnde Tochter Rover zu retten, der britische Industrieminister ist "entzückt", der Gewerkschaftsboss möchte ihn umarmen. Mehr als ein feines Lächeln ist Milberg trotzdem nicht zu entlocken. Sieben Monate später, Ende Februar 2000, bekräftigt er auf dem Automobilsalon in Genf: Das Restrukturierungsprogramm bei Rover werde "in aller Konsequenz fortgesetzt" - und lächelt. Zwei Wochen später gibt er in München die endgültige Scheidung von Rover bekannt. Und wieder halten die Kameras dieses feine Lächeln fest.

Gefühle zeigt Joachim Milberg nicht. Jedenfalls nicht öffentlich. Selbst als ihn britische Politiker nach seinem Salto rückwärts bei Rover als "unehrenhafte Person" und "Lügner" beschimpfen, lässt er sich bei seinen Auftritten nichts anmerken. Kennt der 57-Jährige, der in seiner knapp zweijährigen Amtszeit als BMW-Chef so viele - auch menschlich - schwerwiegende Entscheidungen traf, keine Emotionen? Ist "der Professor", wie der ehemalige Ordinarius für Werkzeugmaschinenbau bei BMW gerne genannt wird, ein seelenloser Technokrat?

Jetzt, kurz vor Ende des Jahres 2000, ist aus dem feinen Lächeln ein Strahlen über das ganze Gesicht geworden. In seinem nüchternen Büro ganz oben im "Vierzylinder", der Münchner BMW-Zentrale, von dem aus er bei schönem Wetter die Alpengipfel sehen kann, redet Joachim Milberg auch über seine Gefühle in jenen turbulenten Monaten. Abgewogen, sachlich, in moderater Tonlage - wie es seine Art ist. "Überrascht" hätten ihn die "persönlichen Angriffe". Er, der sich die ganze Zeit "für die Menschen, das Unternehmen" einsetzte (er sagt das stets in dieser Reihenfolge), war "betroffen". Der Aufsteiger, der es vom Maschinenschlosser zum Konzernchef gebracht hat, trennt - wenn möglich - sein Privatleben strikt vom Beruf. Aber damals vermochte er die öffentliche Schelte nicht mehr von Frau und Tochter fernzuhalten. Das habe ihm zu schaffen gemacht, gesteht er, und für einen Moment wird seine Miene ganz ernst.

Doch diese harte Zeit ist vorbei. Er will am liebsten "von der Zukunft und nicht von der Vergangenheit reden". BMW wird für dieses Jahr das beste Ergebnis aller Zeiten vorlegen. Einen solchen Triumph würde ein Jürgen Schrempp mit ganz großem Orchester verkünden. In Milbergs Worten klingt das so: "Wir werden in diesem Jahr sicher ein besseres Ergebnis machen als das bisher beste, und das war 1997." Und fügt gleich noch hinzu: "Aber ich will das nicht so hervorheben."

Rückblende. Die Sitzung des BMW-Aufsichtsrats am 5. Februar 1999 dauerte denkwürdige sieben Stunden. Dass das Versagen der stolzen BMW-Manager bei Rover dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder das Amt kosten könnte, war voraussehbar. Als Nachfolger des Kinnbartträgers mit dem Habitus eines bayerischen Landedelmanns wurde sein Erzrivale, Entwicklungschef Wolfgang Reitzle, gehandelt. Reitzle galt seit langem als "Mr. BMW", kein anderer lebte die Marke so intensiv wie der "Luxusmann" (ZEIT Nr. 33/2000).

Als externe Alternative war der erfolgreiche Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Gespräch - von Milberg war keine Rede.