Zweimal in diesem Frühjahr haben einflussreiche Medien aus angeblich sicherer Quelle seine Abberufung abgekündigt. Doch weder stern noch Financial Times Deutschland behielten Recht. Er wundert sich nicht nur in diesem Fall über einen "leichtfertigen Umgang mit Quellen". Auch regelmäßig auftauchende Gerüchte über angebliche Verkaufsabsichten der BMW-Großaktionäre, der Familie Quandt, gehörten dazu. Natürlich weiß auch Milberg, dass eine der Quellen in Wolfsburg sprudelte. "Diese Angriffe auf mich und das Management, der Versuch von außen, dieses Unternehmen zu destabilisieren, hatten natürlich auch Wirkungen auf die Mannschaft." Dagegen anzugehen habe ihn "physisch und zeitlich belastet".

Doch die Last scheint abgefallen. Er hat offenkundig das Glück, dass die Quandts auf ihn, den Macher ohne Starallüren setzen. Und laut Betriebsratschef Manfred Schoch ist die Person Milberg an der BMW-Spitze auch "völlig unstrittig". Der versteht das als Verpflichtung. Dem Ruf der Autos mit dem weiß-blauen Markenzeichen habe das Rover-Debakel nicht geschadet, im Gegenteil. Die Fabriken fahren Sonderschichten. Und die Rendite des Unternehmens kann sich schon in diesem Jahr, trotz einer halben Milliarde Mark Belastung durch Rover, im Branchenvergleich sehen lassen. Nur Porsche steht besser da.

Joachim Milberg ist weder Visionär, noch wird ihm besonderes Charisma nachgesagt. Dass er sich durch markige Sprüche oder Rotweingelage ins Gerede bringt, kann man sich kaum vorstellen. Beim Casting für eine Hauptrolle in der Münchner Schickeria würde er glatt durchfallen. Wenn Schrempp, Reitzle und Co. mit Reinhold Messner Gipfel erklimmen, um ihr starkes Ego zu beweisen, unternimmt Milberg lieber ausgedehnte Wanderungen.

Das mag langweilig wirken. Aber auf seine ruhige Art scheint er für die BMW-Familie nach dem Imagedesaster mit Rover wie geschnitzt. Milberg sei im Umgang "analytisch, klar und unkompliziert", sagt etwa Carl J. Winnen, Geschäftsführer beim Förderkreis Neue Technologien, in dem Milberg bis zu seiner Berufung zum BMW-Chef kräftig mithalf, junge Technologieunternehmen zu fördern.

Auf den ersten Blick geht dem nüchternen Westfalen auch der branchentypische Benzingeruch ab. Spontan würde man in dem Professor eher den Volvo- oder Saab-Fahrer vermuten. Doch das wäre eine Fehleinschätzung. Sein erstes selbst verdientes Geld steckte er in einen BMW, und als Hochschullehrer leistete er sich schon einen BMW M5, eines jener PS-Geschosse im Schafspelz, die sich auf der linken Autobahnspur mit den Porsches oder Ferraris duellieren. Man sollte ihn nicht unterschätzen.