Den meisten gilt der Schluckauf als Lappalie und Kinderkram - zu Recht. Denn schon im Mutterleib geht's los mit dem Hicksen alias Singultus. Kaum hat sich das Zwerchfell ausgebildet, ist der Schluckauf zur Stelle und lässt Föten rhythmisch zucken. Bis zur 26. Woche, so fanden Pränatalmediziner heraus, stellt Singultus "die prädominierende Bewegungsform des Zwerchfells dar". Ab dann schwindet seine Häufigkeit, was als Reifung des zentralen Nervensystems gedeutet wird. Immerhin hicksen Neugeborene noch 3000-mal häufiger als Erwachsene.

Das heißt jedoch nicht, dass Erwachsene befreit wären von diesen unwillkürlichen Kontraktionen des Zwerchfells, die zu einem raschen Einströmen von Atemluft führen. Diese Luft prallt auf den Stimmapparat, der sich 35 Millisekunden nach der auslösenden Kontraktion abrupt schließt.

"Hicks", schallt es dann aus dem Rachen.

Manchmal stundenlang. Manchmal tagelang. Oder, aua, sogar jahrelang. Ein gewisser Charles Osborn aus dem US-Bundesstaat Iowa soll über sechzig Jahre lang gehickst haben. Zwölfmal pro Minute, 19 000-mal täglich, insgesamt 420 Millionen Mal. Die Münchener Medizinische Wochenschrift MMW überliefert glaubhaft, im Endstadium habe Charles' Hauptbeschwerde darin bestanden, dass ihm des Öfteren die dritten Zähne herausfielen.

In anderen extremen Fällen kann der Schluckauf sogar tödlich wirken.

Andererseits soll er auch schon lebensrettend gewirkt haben: Ein Patient kippt um, Kammerflimmern! Doch Sankt Singultus springt ein fürs krampfende Herz, durch das rhythmische Hicksen bleibt im Kreislauf ein ausreichender Blutdruck erhalten.

Meist ist der Schluckauf jedoch nur lästig. Und wie so oft bei Zipperlein, deren Ursache medizinisch nicht geklärt ist, überbordet das therapeutische Füllhorn von Rezepten. Der Heidelberger Pharmakologe Georg Petroianu hat in der MMW die wichtigsten Ärztetricks zusammengestellt, die helfen könnten: etwa Niesen. Oder gaaanz tief Einatmen und anschließend heftig pressen. Oder Eiswasser trinken. Das soll die gereizten Nerven kühlen und beruhigen.