Einen besseren Antiweihnachtsmann hat das Gesamtfernsehprogamm nicht zu bieten. Gegen ihn ist Harald Schmidt ein wahrer Gentleman. Er, Stefan Raab, dem mancher seine Fleischer-Vergangenheit am Grinsen ansehen will, ist echt gemein. Und dabei immer verbindlich - wie halt ein Metzger zu seinen Kälbern.

Doch das ist nicht alles. Er kann Gitarre spielen, er ist schlagfertig, hintersinnig, in seine eigenen Scherze verliebt, aber sonst nicht allzu narzisstisch - mit einem Wort: ein klasse Entertainer. Mit ihm konnte man sich so manchen netten Abend machen und sich ordentlich über den Ochsen amüsieren, den er jeden Montag schlachtet: das Fernsehen.

Seinen Kollegen Harald Schmidt hat er bislang geschont, insofern er sich am Montag einrichtete, den Schmidt frei ließ. Das wird jetzt anders. Im neuen Jahr treibt es Raab von Montag bis Donnerstag, also fast täglich, und es ist offen, was mit der Late Night wird, ob sie dem einen oder dem anderen gehört oder beiden oder immer abwechselnd. Schmidt ist etabliert. Wer kann ihm was anhaben? Raab ist jünger und irgendwie näher dran an der körperbewussten Fun-Generation als der schwäbische Hypochonder. Oder sprechen die beiden ganz verschiedene Zielgruppen an? Schmidt die soignierten Schmunzler, Raab die prolligen und rolligen Schenkelklopfer? Schmidts Neigung, minderjährige Viva-Moderatorinnen oder Boy-Group-Milchbärte einzuladen, spricht dafür, dass er um die Jugend buhlt. Während Raab mit einer gewissen Vorliebe für graue Panter kühn ins Alterslose zielt. Nein, sie wollen beide alles. Und kriegen es vielleicht sogar. Zumal sie von ihrer Gewohnheit, die konkurrierende Show per Gastauftritt in die eigene einzuspeisen, sicher nicht abgehen werden.

Problematischer ist wahrscheinlich die Fixierung der Entertainer auf das Entertainment, das ewige Recycling von Kurzzeitpromis, dem Schmidt mit seiner einfallslosen Gästepolitik stärker verhaftet ist als Raab, der sich munterer unters Volk mischt, jedoch mit seinem Raab der Woche wieder auf den ältesten Bildschirmwitz der Welt festgelegt ist, die Fernsehpanne ... Kleine Prognose zum Daily Start von Raab: Die Show wird umso besser zünden, je weiter sich wenigstens der Einspielfilmteil vom Fernsehen im Fernsehen wegbewegt und der erstaunten Nation offenbart, dass es auch in der Late Night noch Sachen gibt, die nicht Programm, sondern einfach das Leben sind. So wie die Apothekerinnen, bei denen Raab live und überraschend Apothekerinnenwitze testen wollte und die sich als witzeresistent erwiesen. Da hat keiner gelacht, da hieß endlich mal keiner Lippe, Feldbusch, Otto, Krüger, Engelke oder Mittermeier, und es war wirklich komisch.

TV total So 24.12. Pro 7, 0.05 Uhr von 5.2.2001 an immer von Montag bis Donnerstag auf Pro 7, 22.15 Uhr