die zeit: Warum besuchen Unternehmensvertreter Ihr Seminar Bewerberabsagebriefe imagefördernd gestalten?

Jens Flammann: Viele Personalangestellte schreiben jeden Tag die gleichen Absagen und haben das Gefühl, sie wirken verstaubt. Andere fühlen sich nicht wohl, weil sie meinen, die Bewerber nicht anständig zu behandeln. Manche kommen auch, um den Absageprozess zu standardisieren. Sie wollen eine Datenbank mit einer Reihe von variablen Briefen einrichten, weil sie in verschiedenen Sparten Menschen mit verschiedenen Berufsbildern beschäftigen.

zeit: Wenn ein Betrieb einen Bewerber nicht will, warum sollte er ein gutes Image hinterlassen? Ist der Ruf dann nicht ohnehin ruiniert?

Flammann: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Vielleicht besteht ja prinzipielles Interesse am Bewerber, nur der Zeitpunkt oder die Filiale war falsch. Ein Personalarbeiter weiß heute nicht, welche Stelle in zwei Wochen frei wird. Unter Umständen möchte er auf jemanden zurückgreifen, den er im Routinedurchlauf hat durchfallen lassen. Dann gibt es noch den Fall, dass ein Unternehmen, zum Beispiel eine Bank, einen Bewerber nicht zum Mitarbeiter machen, ihn aber als Kunden behalten möchte. Wie dem auch sei, Unternehmen sollten sich in jedem Fall für das Vertrauen der Bewerber bedanken.

zeit: Welche Kardinalfehler werden beim Schreiben von Absagen gemacht?

Flammann: Entweder ist das Schreiben grundsätzlich schlecht, oder ein Sachbearbeiter schreibt einen Brief, der an sich gut ist, jedoch nicht zur Unternehmenskultur passt. Besonders schlimm sind EDV-technisch erstellte Briefe ohne Unterschrift - die wirken harsch und unpersönlich.

zeit: Wer nimmt am Seminar teil?