Wer weiß, wo das letzte Wisent in freier Wildbahn erschossen wurde, der gewinnt eine Million Mark. Hätte er zumindest, wenn er bis zur letzten Frage der Quizshow Wer wird Millionär? durchgehalten hätte. In Polen war das, oder?

RTL New Media - für den Online-Auftritt des Fernsehsenders zuständig - nutzt die Neigung des Das-hätte-ich-auchgewusst, um Surfer auf die eigenen Internet-Seiten zu locken. Dort kann man nämlich üben. Oder aber parallel zur Fernsehsendung mitspielen. Wer es da bis zur Master-Frage schafft, bekommt reale 5000 Mark. Am Ende des vergangenen Monats hatten die RTL-Zählmaschinen mehr als 200 Millionen Seitenaufrufe registriert, davon 75 bis 80 Millionen für Wer wird Millionär? - ein erfolgreiches Beispiel für die Verwertung von Ereignissen in mehreren Medien. Da jeden Monat 2,6 Millionen Surfer allein deshalb ins Internet gehen, um die RTL-Seiten zu besuchen, steigen dort die Anzeigenerlöse deutlich. Geschäftsführer Thomas Hesse vergleicht die RTL-World inzwischen sogar mit den großen Internet-Portalen. Nur sechs von ihnen hätten mehr Besucher. Der Neid von AOL oder T-Online ist ihm sicher.

Denn bei diesen verweilen die Besucher nicht allzu lange - und das drückt die Werbeeinnahmen. Nebenbei setzt RTL Maßstäbe für jene traditionellen Medien, die im Internet um jeden einzelnen Surfer ringen müssen. goh