Glückliche Kühe, die unter weiß-blauem Himmel grasen, glückliche Verbraucher, die sich mit "Qualität aus Bayern" vor dem Rinderwahn sicher wähnen: Das war einmal. Am 17. Dezember bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium einen BSE-Fall im Oberallgäu.

Nein, Bayern ist nicht BSE-frei, auch wenn CSU-Landwirtschaftsminister Josef Miller immer wieder das Gegenteil behauptet hat. Nachdem Ende November in Schleswig-Holstein das erste kranke Rind entdeckt worden war, forcierte er seine Kampagne noch: garantierte Herkunft, garantierte Sicherheit. Nun spricht Miller von einem "schweren Schlag für die bayerische Landwirtschaft".

Doch den größten Schaden hat er selbst angerichtet. Mit der Imagewerbung für "Qualität aus Bayern" wollte er Rinderzüchter, Bauern und Händler vor Verlusten bewahren, nun hat er die Verbraucher um so nachhaltiger verunsichert - und jene geschädigt, die er schützen wollte.

Miller hätte es besser wissen müssen. Wer den Rinderwahn sucht, wird ihn finden, in Schleswig-Holstein, in Bayern und anderswo, in Großmästereien ebenso wie in idyllischen Familienbetrieben. Wer jedoch zu lange verharmlost, verleugnet, verdrängt, fördert den Wahn, vor allem den des Verbrauchers.

Und jetzt? Die Lage hat sich seit dem vergangenen Sonntag nicht wirklich verändert. BSE in Bayern kann nur jene noch schockieren, die den simplen Sachverhalt verdrängen wollten, dass die Krankheit nicht an Landesgrenzen Halt macht. Jetzt hat die Infektion eine Region erreicht, die als eines der größten Rinderproduktionsgebiete Europas gilt. Wen soll das wundern?

Dass bei Tausenden von Tests bisher nur zwei erkrankte Rinder gefunden wurden, kann indes als ein erster beruhigender Hinweis verstanden werden: Britische Verhältnisse wird es hierzulande wohl nicht geben. Die BSE-Diagnose in Bayern ist außerdem ein Zeichen dafür, dass die seit zwei Wochen vorgeschriebenen flächendeckenden Prüfungen das liefern, was man von ihnen erwartet: wichtige Daten zur Verbreitung der Krankheit. Dennoch dürfte es den Verantwortlichen in Bayern schwer fallen, das Vertrauen des Verbrauchers wieder zu gewinnen. Sie haben ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt - und verloren.

BSE in Bayern zeigt aber auch, dass die Politik sich des Rinderwahns nicht mit ein paar Federstrichen - Herkunftsnachweis hier, Tiermehlverbot dort - entledigen kann. Das bayerische Wahn-Vieh soll seinen Geburtshof, einen kleinbäuerlichen Betrieb, nie verlassen haben, nie mit Kadavermehl gefüttert worden sein.