Drei Jahre ungefähr war ich mit Katharina zusammen, das sind ungefähr zwei Jahre länger, als unbedingt nötig gewesen wäre. Im Sommer hatte ich aber keine Lust, mich zu trennen und in der Hitze die Möbel aus der gemeinsamen Wohnung zu schleppen. Im Winter hätte ich nicht gewusst, wie ich Weihnachten verbringen soll. Mit Katharina war das nämlich super: Ihre Mutter wohnt in einem Lebkuchenhaus am Starnberger See. In weiteren Lebkuchenhäusern in der näheren Umgebung wohnen ihr neuer Mann, ihr Exmann und dessen neue Frau. Die haben wiederum jeweils drei blonde Töchter aus erster und zweiter Ehe, immer gute Laune, kanisterweise Toscana-Urlaubsrotwein und viele Geschenke für mich.

Am 24. Dezember treffen sich also aktuelle und abgelegte Ehepartner bei Lieselotte, so heißt Katharinas Mutter. Alle Blondinen sind auch da, zum Teil mit Freundinnen, zum Teil mit Freund. Katharina ist ja auch blond, und ich war ihr Freund und eben dabei. Alle sitzen um einen großen Tisch herum und plaudern über ihre gescheiterten Ehen, dazu gibt's Spitzenrotwein, und Lieselotte serviert viel zu viel Essen, zum Beispiel immer wieder diese zähe Gans vom Bio-Bauern. Dann erzählt sie, dass sie die noch persönlich gekannt hat und wie die Gans hieß und wer am Telefon war, als sie die Gans im Ofen vergaß. Alle beteuern, wie gut sie dennoch schmeckt, lassen sie auf den Tellern liegen und warten auf den Nachtisch, das Marzipaneis. Das ist ihr immer sehr gut gelungen.

Während des Essens plaudern alle, ich teste ein paar Witze und flirte ein bisschen mit Katharina, ihren Schwestern, Cousinen und, ja, auch mit ihrer Mutter. Alle mögen mich da gern und lachen über meine Gags. Das gefällt mir!

Außerdem gefällt mir, wie lässig die miteinander umgehen. Kein Groll auf den Ex, keine Eifersucht auf die Neue. So muss es laufen. Wir sind in Bayern, draußen schneit's also. Die Kirche lassen wir ausfallen, das ist gut. Mit meiner protestantischen Mutter muss ich mich nämlich anschließend über die Predigt unterhalten (Letztes Jahr hat mir das besser gefallen. Sie ist noch ein bisschen jung und unsicher et cetera). Jetzt gibt's die Bescherung.

Jeder drückt jedem ein paar Pakete in die Hand. Fast alles, was Katharina bekommt, zum Beispiel der Staubsauger, ist auch für mich. Sehr nett.

Besonders gespannt bin ich auf die Geschenke, die mir Katharinas Schwestern machen. Wie ihnen diese demonstrative Unverfänglichkeit doch immer gelingt.

Unterwäsche? Okay, aber keinen Slip. Socken! Da schläft die Eifersucht der Katharina ruhig weiter. Die kennen ihre Schwester. Jetzt fällt mir auch die alte Tante auf, die da im Sessel sitzt. Die ist über 90 und will alles erklärt haben und ist natürlich schwerhörig und wohl mit irgendwem oder sogar allen im Raum verwandt. Die ist nicht unwichtig. Sollte in mir mal das Gefühl aufkeimen, nicht zur Familie zu gehören, weil ich schon seit 15 Minuten niemanden zum Reden hab und ein bisschen doof schweigend am Rand sitze - dann quatsch ich einfach mit der. Ein strategisch guter Bescherungsplatz sollte also in Tante Annis Nähe sein.