Die Schlagzeile im Ross-shire Journal lautete: Wachsende Madonna-Erregung in Dornoch. Dornoch, ein malerisches Städtchen im schottischen Hochland, zählt nur ein paar hundert Einwohner, aber es hat als Attraktionen eine gotische Kathedrale und einen Bischofspalast zu bieten.

Sowie einen berühmten Golfplatz und Rosamunde Pilcher. Und jetzt Madonna. Das zu Weihnachten im Jahr 2000!

Die moderne Madonna organisiert alles sehr viel professioneller als ihre Namensgefährtin, die alles dem Zufall überließ und dann mangels Herberge in einem Stall endete. Madonna II. flog vorletzte Woche samt Entourage im Privatjet ein. Zur Vorbereitung dessen, was am 22. Dezember folgen soll. Die Gruppe wurde umgehend in zwei bereitstehenden Range Rover vom Flughafen nach Skibo Castle chauffiert.

Das ausladende Schloss hat eine einzigartige Vergangenheit. Andrew Carnegie, ein Schotte, der in den USA vom Weberjungen zum seinerzeit reichsten Mann der Welt avanciert war, organisierte an seinem Lebensabend von hier aus die größte Spendenaktion der Menschheitsgeschichte. 350 Millionen Dollar - in jetzigen Dollar ist das zehnmal so viel - für Büchereien, Stiftungen, Dorfhallen und wissenschaftliche Institute. Heute fließt das Geld in dem zum Nobelhotel umfunktionierten, viktorianischen Prachtbau in umgekehrter Richtung. 600 Pfund muss man dort für eine Übernachtung auf den Tisch legen.

Dass die Superreichen in Skibo Castle aus und ein gehen, daran hat man sich in Dornoch gewöhnt. Die mit Trainspotting berühmt gewordenen Schauspieler Robert Carlyle und Ewan MacGregor sowie der Golfer Sam Torrance haben hier geheiratet. Wie viel so etwas koste? Da will man keine Zahlen nennen. Das wird alles nach Maß geschneidert. Man will überhaupt nicht viel sagen. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Madonna-Besuch hätten auch dem amerikanischen Präsidenten Genüge getan. Alle Angestellten des Hotels trugen spezielle Identitätsmarken.

Nach der Hotelinspektion besuchte Madonna die Kathedrale. In der Kathedrale, in der zufällig ein verlorenes Häufchen Gottesdienst feierte, sang sie das Ave Maria. Das jedenfalls wussten die Überraschten zu berichten. Nun hängt das Aufgebot aus unter der Nummer 2000/34. Madonna will in der Kathedrale die sakralen Bande knüpfen lassen, von einer Pfarrerin namens Susan Brown. Woraus man einerseits auf die protestantische Note einer zeitgeistlich rechtschaffenen Madonna schließen kann. Und zum anderen, dass eine schottische Hochzeit ein ganz besonderes Ereignis ist. Die anschließende Fete soll im Schloss stattfinden.

Es gibt ein Orchesterstück des klassisch-modernen Komponisten Sir Maxwell Davies, Eine Hochzeit im Hochland, das vor ein paar Jahren in der St.-Magnus-Kathedrale auf den Orkney-Inseln uraufgeführt wurde. Gegen Ende schritt ein Dudelsackpfeifer von hinten durch das Kirchenschiff und blies eine angesäuselte Version des orchestralen Themas in das immer ausgelassenere Fideln und Musizieren hinein.