Das hängt ganz vom Können ab. O Tannenbaum hat eine einfache Melodie, die können auch wenig Geübte singen. Dieses Studentenlied aus Schlesien wurde oft verballhornt. So sang man, als der deutsche Kaiser nach dem ersten Weltkrieg nach Doorn emigrierte: O Tannebaum/ Der Kaiser hat in'n Sack gehaun/ Er kauft sich einen Henkelmann/ und fängt bei Krupp in Essen an. 1820 wurde es erstmals veröffentlicht, aber erst 1924 als Weihnachtslied gesungen, weil erst dann der Brauch entstand, einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Wer es gern besinnlich hat, singt O Du Fröhliche, ursprünglich ein Seemannslied aus Sizilien, das seinen deutschen Text 1819 bekam. Das Repertoire hat sich in den letzten Jahren sehr verändert: Lieder aus den USA sind mittlerweile auch bei uns sehr populär. Jingle Bells und Stille Nacht, heilige Nacht liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das weltweit populärste Weihnachtslied. Wer ganz traditionell sein will, singt Stille Nacht. Um seine Entstehungsgeschichte drehen sich unzählige Mythen. Angeblich hat Joseph Mohr, ein Hilfspriester aus St. Nikola in Oberndorf (bei Salzburg), eine deutsche Fassung zu einem lateinischen Text geschrieben. Er bat am 24. Dezember 1818 den örtlichen Lehrer und Organisten Franz Gruber, dieses Gedicht zu vertonen. Das Lied wurde noch am selben Tag in der Mitternachtsmesse uraufgeführt.

GERALD WIRTH, 35, stellv. künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben