"Es gehen ja die guten Leute weg. Deshalb ist diese Abwanderung so schmerzlich."

Nikolaus Werz, Professor für Politik, Universität Rostock

Schönebeck

Diese Geschichte könnte fast überall in den neuen Ländern anfangen, aber weil sie irgendwo anfangen muss, beginnt sie in Schönebeck. Schönebeck an der Elbe in Sachsen-Anhalt, ein paar Kilometer südlich von Magdeburg gelegen, eine Kleinstadt mit derzeit knapp über 36 000 Einwohnern. Und schon sind wir beim Thema: 45 000 Menschen lebten hier vor der Wende, allenfalls 33 000 werden in zehn Jahren noch übrig sein.

Die Großeltern. Wenn er in seinem alten Mitsubishi durch den Ort fährt, gefällt ihm, was er sieht. Die schönen alten Kirchen, der Kurpark mit dem neuen Solebad und den prächtig restaurierten Hotels, frische Farben und neu gepflasterte Straßen. Nur hie und da noch Einsprengsel von Ostgrau, Industrieruinen oder Altbauten, die zu sanieren nicht lohnt - wer sollte da auch wohnen?

Wie sah es hier noch vor zehn Jahren aus! Ein schmuddeliges, verfallendes Industriestädtchen war Schönebeck. Andererseits: Stolz war er doch darauf.

Das größte Traktorenwerk der Welt hatten sie hier, da hat er damals als Schlosser angefangen, später seinen Meister gemacht und Lehrlinge ausgebildet. Sie bauten den ZT 300, das war richtig Qualität, überall nach Osteuropa wurde der verkauft. Und das war längst nicht alles. Schönebeck hatte das Dieselmotorenwerk, die Gummifabrik, das Sprengstoffwerk, die Gießerei. Die Pendler kamen von rundum.