Noch sind ein paar Sekunden Werbezeit zu haben in den fünf Reklameblöcken, die am ersten Weihnachtstag den Film Titanic auf RTL unterbrechen. Interessiert? Macht 300 000 Mark für 30 Sekunden - der höchste Preis, der je in Deutschland verlangt wurde. Dass die Plätze noch nicht ausgebucht sind, ist für den Werbezeitenvermarkter IP kein Grund zur Sorge, im Gegenteil. "Sonst hätten wir den Preis zu niedrig angesetzt", sagt Sprecher Jan Isenbart. "Wir wollten bewusst die Schwelle für Spot-Preise in Deutschland ein Stück verschieben." Die Schiffbruchromanze wird durch die Werbung um eine Dreiviertelstunde länger, die Kassen von RTL um rund 25 Millionen Mark voller. Der Werbeslogan für den Film: "Weihnachten ist gerettet". Na, für RTL auf jeden Fall.

2000 war ein schlechtes Jahr für Borderline-Journalisten: Im Frühjahr flog Tom Kummer auf, jetzt hat es den zweiten Schweizer Märchenerzähler erwischt.

Claude Bühler heißt der Mann, der wundersame Geschichten aus den USA zu berichten wusste: von Indianern, die wegen einer Portoerhöhung das Kriegsbeil ausgruben, oder einem Zwölfjährigen, der mit Sozialamtsschecks seiner Mutter einen 243 000 Franken teuren Mercedes kaufte und zu Schrott fuhr. Im Frühjahr erfand er sogar ein Interview mit George W. Bush. Mehr als 100 Artikel hat Bühler seit 1999 allein für den Zürcher Tages-Anzeiger geschrieben. Jetzt erteilten ihm mehrere Schweizer Zeitungen vorerst Schreibverbot. Doch Bühler hat ganz andere Sorgen: Nach der Enthüllung bangt er um seine amerikanische Green Card.

Und wo bleibt das Positive? Hier: Acht Stunden vor dem Fernseher zu sitzen ist für viele Kinder heute keine Schwierigkeit mehr. Ob sie es aber auch so lange vor dem Radio aushalten, wird der britische Sender BBC Radio 4 am zweiten Weihnachtstag testen. Niemand anders als Harry Potter soll den Radionachwuchs magisch an die Lautsprecher fesseln - ohne Pause wird Harry Potter und der Stein der Weisen gesendet, vorgelesen von dem Schauspieler Stephen Fry. Die BBC will mit der Lesung des Bestsellers von Joanne Rowling vor allem die Kinder vom Fernseher weglocken. Doch Programmdirektorin Helen Boaden denkt auch an die Erwachsenen: Die könnten sich nämlich beim Zuhören von ihrem Kater erholen. Das ist wahrhaft weihnachtlicher Geist.

Stefan Niggemeier, Torben Müller (offline@zeit.de)