In der Debatte um die Reform der deutschen Hochschulen gibt es eine neue Stimme: den Allgemeinen Fakultätentag. Er vertritt die verschiedenen Fachrichtungen an den Universitäten und wendet sich gegen eine "Amerikanisierung des deutschen Hochschulwesens".

die zeit: Herr Grimm, der Allgemeine Fakultätentag versteht sich als "Bewegung von unten". Deutsche Professoren als Underdogs der Bildungslandschaft - die Rolle ist neu.

Reinhold Grimm: Die Professoren und Fakultäten fühlen sich in der Debatte um die Reform der Universität systematisch ausgegrenzt. Dabei kennen wir die Verhältnisse in den Hochschulen und die Bedürfnisse der einzelnen Fächer am besten. Dennoch wird unsere Position in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

zeit: Spricht denn nicht die Hochschulrektorenkonferenz für die Universitäten?

Grimm: Die HRK vertritt in erster Linie die Interessen der Hochschulleitungen und sich selbst. Vieles, was sie propagiert, ist sehr abgehoben, weit weg von der Wirklichkeit der einzelnen Fächer und der konkreten Lehre. Viele Fakultäten und Professoren fühlen sich von diesem Gremium nicht mehr vertreten.

zeit: Wogegen richtet sich Ihre Kritik?

Grimm: Zum Beispiel sollen flächendeckend Bachelor und Master als neue Studiengänge das Diplom und den Magister ersetzen. Die Habilitation soll abgeschafft werden. Das sind einschneidende Reformen, die viele Professoren und Fakultäten in dieser generalisierenden Form nicht mittragen können. Ein einziges Reformmodell wird den verschiedenen Fächerkulturen nicht gerecht.