Wenn sie ihr zartrosa Kostüm trägt und ihr mädchenhaftes Lächeln aufsetzt, wirkt Sophie L'Hélias wie die ideale Schwiegertochter. Doch für Frankreichs Firmenpatriarchen ist die 36-Jährige ein rotes Tuch. So mancher verlor der blonden Bretonin wegen schon den Job.

Die Diplomatengattin und Mutter von zwei Kindern lebt in Washington und berät von dort angelsächsische Investoren in Frankreich. Genauer gesagt: Als Verteidigerin von Kleinaktionären zwingt sie französische Unternehmen, ihre Politik nach den Interessen ihrer Anleger auszurichten. Corporate governance nennt man das in den Vereinigten Staaten. Das klingt harmlos. Frankreichs Patrons glauben jedoch zu durchschauen, dass das Konzept nur eine feindliche Übernahme durch die Hintertür tarnt.

Der Banque de France zufolge halten ausländische Fonds rund 40 Prozent des Kapitals börsennotierter Unternehmen in Frankreich. Binnen fünf Jahren hat sich die Zahl der Ausländer in den Vorständen französischer Firmen verdoppelt. Heute sind es 20 Prozent. Über den corporate-governance-Ansatz können die Investoren direkt in die Unternehmenspolitik eingreifen und sogar Vorstände putschen.

In den Chefetagen unrentabler Traditionshäuser geht deshalb die Angst um. Die Erbhöfe des Champagnerbrauers Taittinger oder der milliardenschweren Finanzholding Lazard stehen auf der Abschussliste aggressiver Anleger.

Großbetriebe, wie der Medienriese Vivendi, haben vorsichtshalber die Stimmrechte der Aktionäre beschränkt. Andere, wie das umworbene Bankhaus Crédit Lyonnais, versuchen, sich mit Aktionärspakten vor unerwünschtem Fremdeinfluss zu schützen. Laut einer Studie stellen nur der Gasriese Air Liquide, die Privatbank BNP-Paribas und der Softwarespezialist Cap Gemini ihre Geldgeber zufrieden.

Der Rest fürchtet, irgendwann das gleiche Schicksal wie das Schuhimperium André zu erleiden. Die 1896 gegründete Firma fiel im vergangenen Frühjahr aggressiven Konzernjägern zum Opfer. Der Umsturz gilt als Wendemarke im capitalisme à la française. Und Sophie L'Hélias hatte ihren Anteil daran.

Vier Monate lang hatte sie den Chef des britischen Fonds NR Atticus, Nat Rothschild, und den in Frankreich geborenen US-Investor Guy Wyser-Pratte mit gezielten Informationen versorgt. Auf der Hauptversammlung im April kam es zum Showdown. Die ausländischen Eindringlinge köpften den gesamten Vorstand.